Dr.-Martini-Preis 2014: Aktuelle Erkenntnisse zur Primär Sklerosierenden Cholangitis

12.02.2014

Die Primär Sklerosierende Cholangitis (PSC) ist eine autoimmune Lebererkrankung, die zu einer Entzündung und Vernarbung der Gallenwege führt. Bei fortschreitendem Verlauf der Krankheit ist das Auftreten einer Leberzirrhose häufig, viele Patienten bedürfen langfristig einer Lebertransplantation. Die Ursache der Erkrankung ist bis heute unzureichend verstanden. Zudem gibt es keine etablierte Therapie, die den progressiven Verlauf der Krankheit günstig beeinflussen kann.

Das Forschungsteam um Prof. Dr. Christoph Schramm, Projektgruppenleiter im Sonderforschungsbereich „Leberentzündung“ und stellvertretender Klinikdirektor der I. Medizinischen Klinik am UKE, arbeitet daran, Licht ins Dunkel um die Ursachen und das Auftreten der PSC und anderer autoimmuner Lebererkrankungen zu bringen. Zwei aktuelle Publikationen – eine davon in dieser Woche ausgezeichnet mit dem Dr. Martini-Preis 2014 – beschreiben neueste Erkenntnisse. Patienten, die sich für die Grundlagenforschung zur Verfügung stellen, ermöglichen ihre Untersuchungen.

Primär Sklerosierende Cholangitis: Wie ursächlich ist die Infektion der Gallenwege mit Bakterien und Pilzen?

T-Helferzellen des Typs Th17 spielen eine wichtige Rolle im Immunsystem: Sie bekämpfen bakterielle und pilzbedingte Infektionen, verstärken dabei Entzündungsreaktionen des Körpers. Sind diese Reaktionen fehlerhaft reguliert, können Autoimmunerkrankungen auftreten. Klinische Beobachtungen lassen vermuten, dass auch für den Krankheitsverlauf der Primär Sklerosierenden Cholangitis Infektionen mit Bakterien und Pilzen von großer Bedeutung sind. Prof. Schramm und Kollegen gelang es, bei einer Mehrzahl ihrer PSC Patienten eine Besiedelung der Gallengänge und des benachbarten Lebergewebes durch Bakterien und den Hefepilz Candida albicans nachzuweisen. Im Gegensatz zu gesunden Probanden und Patienten mit anderen Lebererkrankungen entwickelten die Blutzellen der untersuchten PSC Patienten nach Stimulation mit diesen Keimen deutlich mehr Th17 Zellen, die den Botenstoff Interleukin 17 ausschütten. Dieses veränderte Verhalten des Immunsystems, bislang nur mit einer Reihe anderer Immunerkrankungen in Verbindung gebracht, könnte ein guter Ansatzpunkt für eine zukünftige Therapie bei Primär Sklerosierender Cholangitis sein.

Katt J, Schwinge D, Schoknecht T, Quaas A, Sobottka I, Burandt E, Becker C, Neurath MF, Lohse AW, Herkel J, Schramm C. (2013)
Increased T helper type 17 response to pathogen stimulation in patients with primary sclerosing cholangitis.
Hepatology 58(3): 1084-93. (Preisarbeit Dr. Martini-Preis 2014)

Auch Anzahl regulatorischer T-Zellen bei PSC Patienten vermindert – welche Rolle spielt die Genetik?

Regulatorische T-Zellen (Tregs) haben die Aufgabe, die Aktivierung des Immunsystems zu unterdrücken und dadurch die Selbsttoleranz des Immunsystems zu regulieren. Sie verhindern im gesunden Organismus die Entstehung von Autoimmunkrankheiten. Wissenschaftler um Prof. Schramm konnten nun in ihrer aktuellsten Publikation bestätigen, dass bei PSC Patienten bereits zum Zeitpunkt der Diagnose die Menge genau dieser Tregs verringert ist – die Voraussetzung für eine Erkrankung, bei der das Immunsystem gestört ist und den eigenen Körper angreift, ist gegeben. Die beobachtete Reduktion an Tregs könnte genetisch bestimmt sein: Die Anzahl dieser Zellen bei den Patienten geht mit einer bestimmten Variante des Gens einher, welches für den Interleukin-2-Rezeptor (IL-2Rα) codiert. Das Interleukin-2 (IL-2) ist entscheidend für die Vermehrung und Funktionalität regulatorischer T-Zellen. Somit konnte die funktionelle Bedeutung eines Teils der genetischen Veränderungen bei Patienten mit PSC aufgeklärt werden. In zukünftigen Studien muss weiter untersucht werden, wie die Gene das Zusammenspiel von Entzündungsregulation und Infektabwehr bei den Erkrankten beeinflussen.

Sebode M, Peiseler M, Franke B, Schwinge D, Schoknecht T, Wortmann F, Quaas A, Petersen B-S, Ellinghaus E, Baron U, Olek S, Wiegard C, Weiler-Normann C, Lohse AW, Herkel J, Schramm C. (2014)
Reduced FOXP3+ regulatory T cells in patients with primary sclerosing cholangitis are associated with IL-2RA gene polymorphisms.
J Hepatol. 2014 Jan 8. [Epub ahead of print]

Weitere Informationen zum SFB Projekt B3 „Regulatorische T-Zellen und TH17 Zellen in der Pathogenese und Therapie der Cholangitis“ finden Sie hier.

Die Yael-Stiftung unterstützt die Spezialambulanz für autoimmune Lebererkrankungen innerhalb des neu gegründeten Universitären Centrums für Seltene Erkrankungen am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE). Der aktuelle Stiftungsflyer informiert.

Kontakt:
Prof. Dr. med. Christoph Schramm
I. Medizinische Klinik und Poliklinik
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Tel.: +49-40-7410-52545
E-Mail: cschramm@uke.de