Leberforschung aktuell: Dem Hepatitis E Virus auf der Spur

4.5.2016

Infektionen mit dem Hepatitis E Virus (HEV) verlaufen in Deutschland meist unauffällig, unbemerkt von den Betroffenen. Doch Komplikationen sind möglich: So verursacht das Virus bei transplantierten Patienten mit geschwächtem Immunsystem nicht selten chronische Verläufe, die unbehandelt zu einem Leberversagen und zum Tode führen können. Einen Impfstoff oder offiziell zugelassene Therapien gegen diese in Europa vorkommende Hepatitis E-Virusvariante gibt es derzeit nicht, auch weil der Forschung geeignete Untersuchungsmodelle nicht zur Verfügung stehen.

Mit einem neu etablierten humanisierten Mausmodell hoffen SFB 841 Wissenschaftler um Prof. Maura Dandri und Dr. Marc Lütgehetmann nun, die Infektionswege und Verbreitungsmechanismen des HEV besser verstehen sowie neue antivirale Wirkstoffe testen zu können. So ist das Medikament Ribavirin offiziell nicht für die Behandlung von Hepatitis E zugelassen, zeigt in der Praxis aber sehr gute Erfolge. Doch gibt es Wirkstoffe, die besser verträglich sind? Und wie kann jenen Patienten geholfen werden, denen zurzeit kein Therapieansatz offen steht, da sie auf Ribavirin überhaupt nicht reagieren?

Hepatitis E galt hierzulande bis vor kurzem als eine Infektionskrankheit, die vornehmlich Reisende aus Asien und Afrika einschleppten. Doch offenbar ist das Virus schon lange auch in Mitteleuropa heimisch. Kontaminiertes Wild- und Schweinefleisch soll den Erreger in vielen Fällen übertragen haben. Durch eine verbesserte Diagnostik und höhere Sensibilität der Ärzte wird das Virus auch in Deutschland seit wenigen Jahren vermehrt nachgewiesen: Nach Schätzungen des Robert Koch-Institutes hatte jeder sechste Bundesbürger bereits Kontakt mit dem Erreger. Eine besondere Herausforderung für Forschung, Diagnostik und Therapie von HEV ist, dass der Erreger weltweit in unterschiedlichen Hepatitis E-Virusvarianten vorliegt, die im Krankheitsverlauf und Verbreitungswegen stark voneinander abweichen. So zeigen auch erste vergleichende Ergebnisse aus der vorliegenden Studie, dass bei einer Infektion mit dem HEV Genotyp 1 (Vorkommen in Entwicklungs- und Schwellenländer Asiens und Afrikas) die Viruskonzentration deutlich schneller ansteigt und höher liegt als beim HEV Genotyp 3 (Vorkommen in Industrieländern). Welche Rolle spielt die Immunantwort des Wirtes beim Angriff des Erregers? Und warum kommt es manchmal zu einem chronischen Verlauf der Krankheit? Mit ihrem Modell haben die Forscher nun das Rüstzeug, sich diesen Fragen zu nähern.

Haben Sie Fragen zum Thema? Oder suchen einen HEV Experten aus Klinik oder Wissenschaft? Wir freuen uns über Ihre Kontaktaufnahme (i.cassens@uke.de)!

Originalpublikation

Allweiss L, Gass S, Giersch K, Groth A, Kah J, Volz T, Rapp G, Schöbel A, Lohse AW, Polywka S, Pischke S, Herker E, Dandri M, Lütgehetmann M

Human liver chimeric mice as a new model of chronic hepatitis E virus infection and preclinical drug evaluation
J Hepatol. 2016 May;64(5):1033-40. doi:10.1016/j.jhep.2016.01.011. Epub 2016 Jan 22.

Ausgewählte SFB 841 Projekte

Im Fokus der SFB 841 Teilprojekte von Prof. Maura Dandri und Dr. Marc Lütgehetmann stehen das Hepatitis B und Hepatitis D Virus:

Details, Kontaktdaten und weitere Veröffenlichungen zum SFB Teilprojekt A5 von Prof. Maura Dandri “Molekulare Mechanismen der Persistenz von Hepatitis-B-Viren in chronisch infizierten chimären Mäusen” finden Sie hier.

Details, Kontaktdaten und weitere Veröffenlichungen zum SFB Teilprojekt A8 von Dr. Marc Lütgehetmann/Prof. Maura Dandri “Hepatitis-D-Virus-induzierte Pathogenese und Interaktion mit dem angeborenen Immunsystem” finden Sie hier.

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