Leberforschung aktuell: Leberzellkrebs -- was passiert nach Entfernung des Tumors aus der entzündeten Leber?

20.01.2015

Für Patienten mit Leberzellkrebs (HCC) im frühen Stadium ist die operative Entfernung des Tumors aus der Leber eine Therapieoption. Grundsätzlich erlaubt die hohe Regenerationsfähigkeit der Leber die Entfernung von bis zu vier Fünfteln des Organs. Der verbliebene Rest der Leber kann im Verlauf wieder nahezu Ausgangsgröße erreichen, allerdings nur, wenn die Leber nicht vollständig narbig umgebaut ist. Das Rückfallrisiko bei Leberzellkrebs ist nach einer Teilentfernung der Leber jedoch sehr hoch (bis zu 70%) und Patienten müssen daher mit dem Auftreten eines neuen Tumorknotens rechnen. In 90% der Fälle geht einem Leberzellkrebs eine chronische Entzündung des Organs voraus. Geeignete Entzündungsmodelle sind entscheidend, um zu erforschen, wie die Leberregeneration nach Teilentfernung der Leber die Karzinogenese, also die Entstehung von Leberzellkrebs, beeinflusst.

Eine aktuelle Studie unter der Leitung von Daniel Goldenberg vom Hadassah Medical Center in Jerusalem, an der sich auch Wissenschaftler vom UKE und SFB 841 beteiligt haben, verwendet ein Mausmodell, in dem es durch eine chronische Entzündung zur Entstehung von Leberzellkrebs kommt. Eine zusätzliche Operation, bei der ein Teil der Leber entfernt und somit eine Regeneration ausgelöst wurde, beschleunigte in dem Tiermodell die Krebsentstehung um etwa vier Monate. Dabei scheinen ganz besondere tumorfördernde Veränderungen auf Zellebene durch die Leberteilentfernung ausgelöst zu werden, wozu zum Beispiel die Vervielfältigung bestimmter Chromosomenabschnitte und die Expression tumor-auslösender Gene zählen. Auch ein in diesem Zusammenhang bisher nicht beachtetes Gen (CREM), welches möglicherweise eine entscheidende Rolle bei der Entstehung von Leberzellkrebs hat, konnte in der Studie identifiziert werden. Die weitere Aufklärung der in der Studie entdeckten molekularen Mechanismen ist ein wichtiger Schlüssel, um Patienten nach Entfernung eines Lebertumors vor einem Rückfall zu schützen.

Chromosomen_Fotalia

Originalveröffentlichung:

Ella E, Heim D, Stoyanov E, Harari-Steinfeld R, Steinfeld I, Pappo O, Perlman TS, Nachmansson N, Rivkin L, Olam D, Abramovitch R, Wege H, Galun E, Goldenberg D

Specific genomic and transcriptomic aberrations in tumors induced by partial hepatectomy of a chronically inflamed murine liver
Oncotarget. 2014 Nov 15;5(21):10318-31.

Weitere Informationen zum SFB Teilprojekt C3 von Prof. Eithan Galun, der Co-Autor der oben beschriebenen Veröffentlichung ist, finden Sie hier: IL-6, STAT3 and gender disparity in the development of inflammation-associated HCC in the Mdr2-knockout mouse

PD Dr. Henning Wege leitet die Arbeitsgruppe „Leberregeneration und Telomerase“, zu der auch Dr. Denise Heim gehört. Die AG beschäftigt sich an der I. Medizinischen Klinik und Poliklinik des UKE mit der molekularen Pathogenese von hepatozellulären Karzinomen: Link zur Homepage