Leberforschung aktuell: Testosteron schützt vor Autoimmunerkrankungen der Leber

2.03.2015

Frauen entwickeln häufiger Autoimmunerkrankungen als Männer. Bei Autoimmunerkrankungen der Leber ist die höhere Erkrankungsrate von Frauen besonders ausgeprägt: So sind bei der Primären Biliären Zirrhose (PBC) beispielsweise zehnmal mehr Frauen als Männer betroffen, bei der Autoimmunen Hepatitis (AIH) beträgt das Verhältnis 4:1.

Prof. Dr. Christoph Schramm, Leiter des SFB 841 Projektes B3 und stellvertretender Klinikdirektor der I. Medizinischen Klinik am UKE, und Dr. Dorothee Schwinge, wissenschaftliche Mitarbeiterin, haben nun ein Modell der autoimmunen Cholangitis beschrieben, mit dem der Einfluss des Geschlechtes auf Entzündungsreaktionen in der Leber untersucht werden kann. Ähnlich den autoimmunen Lebererkrankungen beim Menschen zeichnet sich dieses Cholangitis-Modell durch eine höhere Anfälligkeit weiblicher Tiere aus: Während diese krank werden, entwickeln männliche Mäuse keine Symptome.

Testosteron_Schild mit Formel_Fotalia
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In ihren Untersuchungen konnten die Wissenschaftler dem Hormon Testosteron eine wichtige Funktion zuschreiben: So lässt sich die Krankheit bei weiblichen Mäusen durch Testosteronzugabe unterdrücken, durch die Kastration von Männchen verlieren diese hingegen ihren Schutz. Dabei unterdrückt das Geschlechtshormon offenbar die Produktion bestimmter Botenstoffe, die wiederum Entzündungsreaktionen begünstigen und aktivieren. Dass Testosteron auch in der Leber die Funktion von Entzündungszellen beeinflussen kann, ließ sich in dieser Studie erstmals nachweisen. Ein tieferes Verständnis der dahinter stehenden molekularen Mechanismen könnte zu neuen Therapieansätzen für Patienten mit autoimmunen Lebererkrankungen führen.

Originalveröffentlichung:

Schwinge D, Carambia A, Quaas A, Krech T, Wegscheid C, Tiegs G, Prinz I, Lohse AW, Herkel J, Schramm C

Testosterone Suppresses Hepatic Inflammation by the Downregulation of IL-17, CXCL-9, and CXCL-10 in a Mouse Model of Experimental Acute Cholangitis
J Immunol. 2015 Feb 11. pii: 1400076. [Epub ahead of print]

Weitere Informationen:

Details zum SFB Teilprojekt B3 von Prof. Christoph Schramm „Regulatorische T-Zellen und TH17 Zellen in der Pathogenese und Therapie der Cholangitis” finden Sie hier.

Die Yael-Stiftung unterstützt die Spezialambulanz für autoimmune Lebererkrankungen innerhalb des Martin Zeitz Centrums für Seltene Erkrankungen am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE). Der aktuelle Stiftungsflyer informiert.

Die Primär Sklerosierende Cholangitis (PSC) ist eine autoimmune Lebererkrankung, die zu einer Entzündung und Vernarbung der Gallenwege führt. Bei fortschreitendem Verlauf der Krankheit ist das Auftreten einer Leberzirrhose häufig, viele Patienten bedürfen langfristig einer Lebertransplantation. Aktuelle Forschungsarbeiten, eine davon mit dem Dr. Martini-Preis 2014 ausgezeichnet, beschreiben neueste Erkenntnisse – mit direktem Bezug zum Patienten: weitere Kurzmeldung auf der SFB Homepage