Leberforschung aktuell: Welche Rolle spielen MAIT-Zellen bei viralen Infektionen?

28.9.2016

Mucosal-associated Invariant T-Cells (MAITs) sind eine noch wenig erforschte Gruppe von Abwehrzellen. Im Gegensatz zu den meisten T-Immunzellen, die sich erst beim Kontakt mit einem für sie spezifischen Krankheitserreger stark vermehren, sind die MAIT-Zellen bereits ohne Erregerkontakt zahlreich vorhanden. Sie werden deshalb eher zum angeborenen Immunsystem gezählt. Bekannt ist, dass MAIT-Zellen bakterielle Infektionen bekämpfen; anhand ihres Rezeptors erkennen sie Produkte aus dem bakteriellen Vitamin B Stoffwechselweg. Erste Forschungsergebnisse weisen zudem darauf hin, dass MAIT-Zellen auch bei der Aktivierung und Steuerung antiviraler Immunantworten eine wichtige Rolle spielen. In einer aktuellen Publikation im Journal of Hepatology (Eberhard et al. 2016) untersuchen SFB Wissenschaftler um PD Dr. Julian Schulze zur Wiesch (SFB Projekt A6: (Dys)-Regulation der zellulären HCV-spezifischen Immunantwort) nun erstmals das Vorkommen von MAIT-Zellen im Blut und in der Leber von Patienten, die wegen einer chronischen HCV und/oder HIV Infektion behandelt werden.

Was war das Ziel Ihrer Untersuchung?
Schulze zur Wiesch: Die Studie ist Teil eines jungen und hochspannenden Forschungsfeldes. Obwohl MAIT-Zellen zahlreich im Blut, in der Leber und in den Schleimhäuten von Darm und Lunge vorkommen, wurden sie erst 2003 identifiziert. Noch später erkannten Wissenschaftler ihre mögliche Bedeutung auch für die virale Immunabwehr und wenig wissen wir bislang über die Rolle von MAIT-Zellen bei Infektionen mit dem Hepatitis C Virus (HCV). Warum sinkt bei einer HCV Infektion die Zahl dieser Abwehrzellen im Blut? Wandern die MAIT-Zellen ab, aus dem Blut ins Lebergewebe, und damit zu den Orten der Infektion und Entzündungsaktivität? Und was passiert, wenn Patienten erfolgreich therapiert wurden? Steigen die MAIT Zahlen im Blut wieder? Diese Fragen wollten wir gerne näher beleuchten.

Was genau haben Sie herausgefunden?
Schulze zur Wiesch: Wir konnten bestätigen, dass die Anzahl von MAIT-Zellen bei Patienten mit einer chronischen HCV Infektion reduziert ist, und dies im Vergleich zu Gesunden sowohl im Blut als auch im Lebergewebe. Dieses Ergebnis spricht gegen die Theorie, dass die Abwehrzellen vom Blut ins entzündete Gewebe abwandern – denn auch am eigentlichen Ort der Infektion, der Leber, sind deutlich weniger MAIT-Zellen festzustellen. Bei einer Ko-Infektion mit HCV und HIV ist der Rückgang an MAIT-Zellen nochmals ausgeprägter. Eine erfolgreich durchgeführte Behandlung gegen HCV führt jedoch nicht dazu, dass die Anzahl an MAIT-Zellen im Körper wieder ansteigt. MAIT-Zellen könnten mit eine Erklärung sein, warum HCV/HIV Ko-Infektionen deutlich schwerer verlaufen als die Infektion mit dem Hepatitis C Virus allein. Es lohnt sich, diese Spur in weiteren Studien weiter zu verfolgen.

Originalpublikation

Eberhard JM, Kummer S, Hartjen P, Hüfner A, Diedrich T, Degen O, Lohse AW, van Lunzen J, Schulze Zur Wiesch J

Reduced CD161 MAIT cell frequencies in HCV and HIV/HCV co-infection: Is the liver the heart of the matter?
J Hepatol. 2016 Aug 1. pii: S0168-8278(16)30401-9. doi: 10.1016/j.jhep.2016.07.031. [Epub ahead of print]

Weitere Informationen:

Details zum SFB Teilprojekt A6 von PD Dr. Julian Schulze zur Wiesch “(Dys)-Regulation der zellulären HCV-spezifischen Immunantwort” finden Sie hier.