Neues sfb841-tv Video online! Das Wettrüsten des Hepatitis C Virus

17.6.2016

Infiziert ein Virus eine Zelle, so präsentiert diese kurze Zeit später Eiweißfragmente des Erregers auf ihrer Zelloberfläche. Daran erkennen natürliche Killerzellen (NK-Zellen), die zur angeborenen Abwehr des menschlichen Immunsystems gehören, dass die Zelle von einem Virus befallen ist und töten diese ab. Das rasche Abtöten verhindert die Vermehrung der Viren, die des Replikationsapparats einer intakten Wirtszelle bedürfen.

Doch wie schaffen es Viren, wie der Hepatitis C-Erreger HCV, dieser frühen Attacke des Immunsystems zu entkommen? Dieser spannenden Frage gehen die SFB 841 Wissenschaftler Dr. Sebastian Lunemann und Prof. Marcus Altfeld vom Heinrich-Pette-Institut (Teilprojekt A7 – Mechanismen der NK-Zell-vermittelten Kontrolle der HCV-Infektion) nach. In ihren Untersuchungen konnten sie nun ein Eiweiß aus dem Kern des HCV identifizieren, welches – von der infizierten Zelle mittels eines bestimmten Rezeptormoleküls (HLA-C*03:04) an der Oberfläche präsentiert – natürliche Killerzellen nicht aktiviert, sondern deren Wirken deutlich einschränkt. Die Wirtszelle wird somit nicht sofort abgetötet, der Virus kann sich vermehren. Interessanterweise findet sich diese Eiweißvariante nicht bei allen Hepatitis C Viren. HCV ist in verschiedene Genotypen unterteilt, die sich auch in ihrem Vorkommen weltweit unterscheiden. Es ist vor allem die Eiweißvariante des HCV Genotyps 1, die in der Lage ist, die angeborene Immunabwehr lahm zu legen. Varianten desselben Eiweißes, welche in anderen Genotypen vorherschend sind, können die Aktivität der Killerzellen deutlich weniger oder gar nicht unterbinden.

Damit ließe sich möglicherweise auch erklären, warum manche HCV Infektionen eher zu einem chronischen Verlauf der Krankheit führen können als andere. Die Ergebnisse deuten zudem auf eine Ko-Evolution zwischen dem Immunsystem des Menschen und dem Erreger hin: Denn dort, wo der Rezeptor HLA-C*03:04 auf Wirtszellen besonders häufig vorkommt, ist auch die Wahrscheinlichkeit groß, dass es sich bei einer HCV Infektion um den Genotyp 1 handelt. Dies ist beispielsweise in Europa der Fall.

In einem neuen sfb841-tv Publikationsvideo erklärt der Erstautor Sebastian Lunemann allgemeinverständlich und in Kürze, wie die Wissenschaftler dem Virus auf die Spur kamen. Schauen Sie rein!

Autor Sebastian Lunemann erklärt die Publikation "Lunemann et al. (2016)"Videoarchiv

online seit 07.06.2016

Originalpublikation im Journal of Hepatology:

Lunemann S, Martrus G, Hölzemer A, Chapel A, Ziegler M, Körner C, Garcia Beltran W, Carrington M, Wedemeyer H, Altfeld M

Sequence variations in HCV core-derived epitopes alter binding of KIR2DL3 to HLA-C∗03:04 and modulate NK cell function
J Hepatol. 2016 Apr 4. pii: S0168-8278(16)30097-6. doi:10.1016/j.jhep.2016.03.016. [Epub ahead of print]

Weitere Informationen:

Details zum SFB Teilprojekt A7 von Prof. Marcus Altfeld “Mechanismen der NK-Zell-vermittelten Kontrolle der HCV-Infektion” finden Sie hier.