Strahlenfrei, schnell und genau – Forscher testen neues bildgebendes Verfahren

30.10.2012
Ein Magnetic Particle Imaging (MPI) Gerät und eine Förderung in Höhe von insgesamt vier Millionen € hat ein Konsortium von Wissenschaftlern unter Federführung von Professor Gerhard Adam, Direktor der Klinik für Diagnostische und Interventionelle Radiologie am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE), eingeworben. MPI zeichnet sich dadurch aus, dass es schnell und strahlenfrei hochauflösende dreidimensionale Bilder liefern kann. Ab Herbst 2013 wird eines von zwei durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Bildgebungsgeräte am UKE stehen.

Für die neue Bildgebungsmethode werden winzig kleine Teilchen aus Eisenoxid injiziert, deren Magnetisierung detektiert werden kann. Im Vergleich zur Magnetresonanztomographie (MRT) können beim MPI bereits viel geringere Mengen an Nanopartikeln abgebildet werden. Außerdem wird die räumliche Verteilung der injizierten Eisenpartikel gemessen und nicht wie beim MRT die Reaktion des Gewebes auf das Kontrastmittel. „Dadurch erhalten wir präzise anatomische Informationen mit wesentlich weniger störenden Hintergrundsignalen als beim MRT“, erklärt Adam, der im Sonderforschungsbereich 841 „Leberentzündung: Infektion, Immunregulation und Konsequenzen“ ein Teilprojekt leitet, in dem es um die MR-tomographische Darstellung von Lebererkrankungen geht. Neben Adam sind noch vier weitere Teilprojektleiter aus dem SFB 841 sowie zahlreiche Forscher des UKE, des Heinrich-Pette-Instituts, des Bernhard-Nocht-Instituts und des Instituts für Physikalische Chemie der Universität Hamburg an dem Projekt beteiligt.

Aufgabe der Wissenschaftler ist es, zunächst an Mausmodellen zu erforschen, für welche klinischen Anwendungen und grundlagenorientierten Fragestellungen MPI sich eignet. Mögliche Einsatzgebiete sind die Darstellung von Gefäßen, um z. B Verengungen besser zu entdecken. Die Forscher wollen auch testen, wie gut die Durchblutung ganzer Organe abgebildet werden kann. Dadurch könnte man etwa eine Leberzirrhose von einer gesunden Leber unterscheiden und eventuell sogar Tumore früher und genauer aufspüren. „Wir hoffen mithilfe des MPI Erkrankungen, etwa des Herz-Kreislauf-Systems oder der Leber, schneller, genauer und für den Patienten schonender diagnostizieren zu können“, sagt Adam. Wenn sich die Methode als sehr sensitiv erweisen sollte, wäre auch ein Einsatz auf molekularer Ebene denkbar. Einzelne Zellen oder Antikörper ließen sich dann mithilfe des MPI darstellen.