Wichtiges Zeitfenster für antivirale Therapie der akuten Hepatitis C entdeckt

16.1.2012
In einer internationalen Zusammenarbeit konnten Wissenschaftler am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) jetzt zeigen, dass bei Patienten mit einer akuten Hepatitis-C-Infektion zunächst immer eine von T-Helferzellen vermittelte Immunantwort vorliegt. Bislang gingen Forscher davon aus, dass es eine solche Antwort des Immunsystems nur bei Patienten mit einer spontanen Ausheilung gibt. Die Wissenschaftler fanden außerdem heraus, dass diese Virus-spezifischen T-Helferzellen bei chronischen Verläufen einer Hepatitis-C- Infektion relativ schnell wieder verschwinden. Eine rechtzeitige antivirale Therapie in der akuten Phase kann den Verlust dieser T-Helferzellen verhindern. Damit eröffnen diese Ergebnisse neue Ansätze im Kampf gegen die chronische Hepatitis-C-Infektion.

Über 70 Prozent aller Hepatitis-C-Infektionen verlaufen chronisch, nur bei wenigen infizierten Menschen ist das Immunsystem in der Lage, das Virus schon in der akuten Phase erfolgreich zu bekämpfen. Bei einer spontanen Ausheilung ist immer eine starke von T-Helferzellen vermittelte Antwort des Immunsystems nachweisbar. Bislang war nicht klar, warum bei Patienten mit einer chronischen Infektion keine Hepatitis-C-Virus (HCV)-spezifischen T-Helferzellen im Blut nachgewiesen werden können. In Zusammenarbeit mit dem Labor von Prof. Georg Lauer am Massachusetts General Hospital, Harvard Medical School, Boston, USA analysierte Dr. med. Julian Schulze zur Wiesch (1. Medizinische Klinik, UKE) die T-Helferzellen im Blut einer großen Patientengruppe, um dieser Frage nachzugehen. Die Patienten hatten eine akute Hepatitis-C-Virus-Infektion aber unterschiedliche klinische Verläufe. Schulze zur Wiesch leitet am UKE ein Teilprojekt des Sonderforschungsbereichs 841 (SFB 841) „Leberentzündung: Infektion, Immunregulation und Konsequenzen“.

Rechtzeitige Therapie stoppt T-Zell-Verlust
Mittels einer neuen, sehr sensitiven Methode (der so genannten MHC Klassse II Tetramer Technologie) fanden die Forscher bei allen untersuchten Personen in frühen Stadien der Infektion HCV-spezifische T-Helferzellen. Bei chronischen Verläufen wiesen diese Immunzellen jedoch sehr bald funktionelle Störungen auf und verschwanden schließlich ganz. Die funktionalen Defekte der T-Helferzellen waren zum Teil wieder umkehrbar, wenn den isolierten Zellen im Labor ein Immunbotenstoff, Interleukin 2 (IL-2), frühzeitig zugesetzt wurde. Auch bei den Patienten konnte eine früh in den ersten sechs Monaten nach Infektion begonnene antivirale Therapie den kompletten Verlust der HCV-spezifischen T-Helferzellen verhindern. „Im nächsten Schritt gilt es, die Ursachen der funktionellen Defekte dieser Zellen genauer zu verstehen“, erläutert Schulze zur Wiesch. Laut dem Mediziner deuten die Ergebnisse der Arbeit außerdem darauf hin, dass bei akut HCV-infizierten Personen früh mit einer antiviralen Therapie begonnen werden sollte. Weitere klinische Studien müssten diese Beobachtung jedoch noch bestätigen.

Die Chronifizierung abwehren
Die in der neuen Ausgabe des renommierten Journal of Experimental Medicine veröffentlichte Ergebnisse sind ein wichtiger Schritt, um Ansatzpunkte zu finden, eine Chronifizierung der HCV-Infektion therapeutisch zu verhindern. Denn eine chronische Hepatitis-C-Infektion kann schwere Folgeschäden wie eine Leberzirrhose oder sogar Leberkrebs hervorrufen. Rund 500.000 Menschen leiden in Deutschland an einer chronischen Hepatitis-C-Erkrankung, weltweit sind etwa 170 Millionen Menschen davon betroffen. Anders als bei Hepatitis A und B kann man gegen das Hepatitis-C-Virus bisher nicht impfen. Auch die antivirale Therapie der chronischen HCV-Infektion bleibt trotz Neuentwicklungen in den letzten Monaten weiterhin aufwendig und nebenwirkungsreich.