Pressemitteilungen

12.06.2017

UKE Forschung in Fachzeitschrift Nature Medicine erschienen: Frieren hilft! UKE-Wissenschaftler identifizieren Stoffwechselweg zum Abbau überschüssigen Cholesterins

Sinken die Temperaturen, haben Menschen größeren Appetit und nehmen folglich mehr und zumeist auch fettreichere Nahrung zu sich. So wird der Körper mit ausreichend Energie versorgt, die für die Aufrechterhaltung der Körpertemperatur notwendig ist. Doch fettreiche Nahrung enthält auch viel Cholesterin, welches vom Körper nicht zur Energiegewinnung genutzt werden und im Überschuss Zellen schädigen kann. Wissenschaftler des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) und des Sonderforschungsbereichs 841 „Leberentzündung“ (SFB 841) konnten nun einen Mechanismus in der Leber identifizieren, über den der Organismus überschüssiges Cholesterin effizient in Gallensäuren abbauen und somit unschädlich machen kann. Die Forschungsergebnisse sind heute in der renommierten Fachzeitschrift Nature Medicine erschienen.

„Schon länger wissen wir, dass niedrige Temperaturen zu einer gesteigerten Wärmeproduktion im so genannten braunen Fettgewebe führen. Da dieser Prozess viel Energie benötigt, kann Kälte als Therapieoption zur Behandlung übergewichtsbedingter Erkrankungen wie Diabetes oder der entzündlichen Fettleber eingesetzt werden“, erklärt Prof. Jörg Heeren, stellvertretender Direktor des Instituts für Biochemie und Molekulare Zellbiologie des UKE und federführender Leiter der Studie. Die Wissenschaftler konnten nun erstmals nachweisen, wie die Aktivierung des braunen Fettgewebes die Leber stimuliert, vermehrt Cholesterin zu Gallensäuren abzubauen. „Dies geschieht interessanterweise durch einen bislang wenig charakterisierten Stoffwechselweg, der – im Gegensatz zum bekannten Cholesterin-Abbauweg – nicht rückkoppelnd über Gallensäuren abgeschaltet wird. So kann der Körper auch unter Kälteeinfluss und der damit verbundenden erhöhten Nahrungszufuhr beständig überschüssiges Cholesterin in Form von Gallensäuren ausscheiden“, so Heeren.
Die Aktivierung des braunen Fettgewebes führt insgesamt zu einer gesünderen Stoffwechsellage. Die vermehrt hergestellten Gallensäuren steigern ihrerseits nochmals die Wärmeproduktion und erhöhen so den Energieverbrauch. Auch wirken die Gallensäuren auf die Zusammensetzung der Bakterien im Darm ein. „Der Einfluss der Gallensäuren auf das Mikrobiom ist von großem Interesse, da wir wissen, dass Darmbakterien beispielsweise den Fortschritt entzündlicher Lebererkrankungen beeinflussen können. Durch die Entdeckung des alternativen Stoffwechselwegs in der Leber und dessen Regulierung über das braune Fettgewebe erhoffen wir uns, zukünftig Therapieansätze insbesondere zur Behandlung chronisch-entzündlicher Lebererkrankungen entwickeln zu können“, so Heeren. Dieses aktuelle Forschungsprojekt zum Fettstoffwechsel in der Leber wurde zu großen Teilen im Rahmen des Sonderforschungsbereichs 841 „Leberentzündung: Infektion, Immunregulation und Konsequenzen“ finanziert und realisiert.

Literatur:
A. Worthmann et al. Cold-induced conversion of cholesterol to bile acids in mice shapes the gut microbiome and promotes adaptive tumorgenesis.
DOI: 10.1038/nm.4357

Kontakt:
Prof. Dr. Jörg Heeren
Institut für Biochemie und Molekulare Zellbiologie
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE)
Martinistraße 52
20246 Hamburg
Telefon: (040) 7410-57273
E-Mail: heeren@uke.de

26.04.2017

Natürliche Zellteilung als Achillesferse des Hepatitis-B-Virus nachgewiesen

Eine Infektion mit dem Hepatitis-B-Virus (HBV) ist bislang nicht vollständig heilbar. Ursächlich dafür ist das im Kern infizierter Leberzellen abgelegte Virusgenom, auf das bestehende Therapien keinen Zugriff haben. Erstmals haben nun Wissenschaftler des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) und des Sonderforschungsbereichs „Leberentzündung“ (SFB 841) in einem Modell mit menschlichen Leberzellen gezeigt, dass die Wirtszellen sich der viralen DNA durch natürliche Zellteilung entledigen und im Anschluss durch bekannte Medikamente vor einer Neuinfektion geschützt werden können.

„Von verwandten Erregern bei Tieren war seit längerem bekannt, dass infizierte Leberzellen große Mengen der im Zellkern abgelegten viralen DNA verlieren, wenn sie sich teilen“, erklärt Prof. Dr. Maura Dandri, Leiterin der Arbeitsgruppe Virushepatitis in der I. Medizinischen Klinik und Poliklinik des UKE. Nun konnten die Wissenschaftler diesen natürlichen Abwehrmechanismus auch erstmals bei einer HBV-Infektion des Menschen nachweisen. „Es gibt bislang keine klinischen Therapiemöglichkeiten, die die im Kern versteckte Virus-DNA erreichen. Diese dient als Vorlage zum Nachbau neuer Viruspartikel. Doch HBV hat eine Achillesferse, denn wir konnten zeigen, dass auch menschliche Leberzellen die virale DNA in großem Umfang durch ihre Zellteilung verlieren“, so Dandri.

Die Studie macht aber auch deutlich, warum der Wirt trotz Zellteilung nur geringe Chancen hat, sich des Erregers komplett zu entledigen. „Wir haben beobachtet, dass sich infizierte Zellen etwas langsamer teilen als nicht infizierte Zellen. Einzelne überlebende infizierte Zellen können damit als Virus-Reservoir für Neuinfektionen dienen“, erklärt Dandri. Die Behandlung mit Anti-HBV-Medikamenten hat hier große Relevanz: „Durch die gleichzeitige Therapie mit so genannten Eintritts- oder Polymerasehemmern könnte sich eine Neuinfektion effizient blockieren lassen und die Zellen, die sich durch Zellteilung vom Virus befreit hatten, könnten geschützt bleiben“, so Dandri abschließend.

Literatur:

Allweiss L, Volz T, Giersch K, Kah J, Raffa R, Petersen J, Lohse AW, Beninati C, Pollicino T, Urban S, Lütgehetmann M, Dandri D. Proliferation of primary human hepatocytes and prevention of hepatitis B virus reinfection efficiently deplete nuclear cccDNA in vivo. Gut Published Online First 20 April 2017. DOI: 10.1136/gutjnl-2016-312162

21.10.2016

Forschungsergebnisse in Fachzeitschrift Science erschienen: UKE-Wissenschaftler identifizieren eine Ursache chronisch-entzündlicher Darmerkrankungen

Colitis ulcerosa und Morbus Crohn – allein in Deutschland sind geschätzt 400.000 Menschen von chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen betroffen. Tendenz steigend. Wissenschaftler des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE), der Yale University und des Sonderforschungsbereichs 841 (SFB 841) konnten nun einen grundlegenden molekularen Hebel identifizieren, der mitverantwortlich ist, dass die Darmschleimhaut bei den Patienten nicht ausheilt und die Krankheit chronisch wird. Die Ergebnisse der Studie sind heute in der renommierten Fachzeitschrift Science erschienen.

Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (CED) sind bislang nicht heilbar. Sie gehen mit zum Teil schweren Einbußen der Lebensqualität einher. Eine spezifische Therapie fehlt, auch weil bislang im Detail unverstanden ist, welche Signalwege die Entzündungsaktivitäten in der Darmschleimhaut auslösen und aufrechterhalten. Die Wissenschaftler aus Hamburg und den USA kamen bei der Ursachenforschung nun einen entscheidenden Schritt voran. „Wir konnten nachweisen, dass bei CED-Patienten eine Fehlregulation der so genannten IL-22-IL-22BP-Achse vorliegt. Das Interleukin 22 (IL-22) ist essentiell für die Heilung der angegriffenen Schleimhäute. Dieser Botenstoff kann seine Rolle aber nicht erfüllen, da sein Gegenspieler, das Interleukin 22 Bindeprotein (IL-22BP), gleich zu Beginn der Entzündung von CD4+ T-Zellen im Übermaß produziert wird. Das IL-22 wird gebunden und damit außer Gefecht gesetzt, die Wundheilung kann nicht einsetzen, die Krankheit wird chronisch“, erklärt Prof. Dr. Samuel Huber, Forschungsgruppenleiter an der I. Medizinischen Klinik und Poliklinik des UKE und einer der federführenden Leiter der Studie.

Ansatzpunkt für eine effiziente Therapie bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen könnte daher sein, gezielt am IL-22BP anzusetzen. „Bisherige Therapieoptionen bei CED unterdrücken unspezifisch Entzündungsaktivitäten, sie haben nicht zu vernachlässigende Nebenwirkungen, wie ein erhöhtes Infektionsrisiko. Unsere Ergebnisse deuten daraufhin, dass Substanzen, die das Bindeprotein direkt blockieren, den Krankheitsverlauf günstig beeinflussen könnten“, sagt Huber.

Darüberhinaus vermuten die Wissenschaftler, dass die Fehlregulation der IL-22-IL-22BP-Achse nicht nur bei CED-Patienten eine wichtige Rolle spielt. „Die Frage, warum Krankheiten chronisch werden, ist eine wichtige Fragestellung im SFB 841. Diese neuen Erkenntnisse werden die Erforschung anderer Entzündungs- und Autoimmunerkrankungen entscheidend voranbringen“, sagt Prof. Dr. Ansgar W. Lohse, Direktor der I. Medizinischen Klinik und Sprecher des SFB 841, der die Interleukinforschung im UKE unterstützt.

Der Forschungserfolg ist das Ergebnis enger Wissenschaftskooperation: Neben der Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Samuel Huber waren an den Untersuchungen auch die Labore von Prof. Dr. Nicola Gagliani, I. Medizinische Klinik und Poliklinik sowie Klinik und Poliklinik für Allgemein-,Viszeral- und Thoraxchirurgie, beide UKE, und Prof. Dr. Richard A. Flavell, Yale University, USA, federführend beteiligt.

Literatur:
Penelope Pelczar, Mario Wittkowski, Laura Garcia Perez et al., A pathogenic role for T-cell derived IL-22BP in inflammatory bowel disease.
http://science.sciencemag.org/cgi/doi/10.1126/science.aah5903.

22.3.2016

Topas Therapeutics raises EUR 14 million to treat immunological disorders

· Causal therapies based on novel approach for antigen-specific tolerance induction
· Significant opportunities through near term clinical proof-of-concept (“POC”)
· Strong strategic syndicate includes Epidarex Capital, EMBL Ventures, Gimv, and Evotec AG

Topas Therapeutics GmbH (“Topas”), a Hamburg/Germany based company, today announced the closing of its Series A financing round. This investment provides the company with EUR 14 million (USD 15 million), the round was led by Epidarex Capital and includes EMBL Ventures, Gimv and Evotec AG. The proceeds enable Topas to expand and accelerate its proprietary tolerance induction platform and to progress with its product development to POC stage in multiple autoimmune and inflammatory indications including multiple sclerosis. In addition the company will pursue proof-of-principle studies together with Eli Lilly and Company in the area of anti-drug antibodies which constitutes an increasingly important problem in the area of biotherapeutics.

Topas is spun out from Evotec and is based on a licensed technology from the University Medical Center Hamburg-Eppendorf (“UKE”) where it was invented by Dr Johannes Herkel and colleagues. Topas´ unique platform is built on proprietary nanoparticles which selectively target liver sinusoidal endothelial cells (“LSECs”) and deliver peptides to such cells. LSECs are one of the body´s premier sites to induce tolerance against blood borne antigens by generating peptide-specific regulatory T cells; this natural pathway is utilized by the Topas technology and applied to treat autoimmune diseases, allergies and drug induced immune reaction where the antigen and its respective antigenic peptides are known. Pre-clinical development for multiple sclerosis is underway and Phase I studies in MS are expected to commence in 2017.

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12.2.2016

Greve-Stiftung dotiert ältesten Medizinpreis Deutschlands – Drei Nachwuchswissenschaftler des UKE mit Dr. Martini-Preis 2016 ausgezeichnet

Drei junge Wissenschaftler des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) sind heute im Beisein von Wissenschaftssenatorin Katharina Fegebank mit dem Dr. Martini-Preis 2016 ausgezeichnet worden. Den ersten Preis erhielt Dr. Johannes Hartl für seine Studie zur Autoimmunen Hepatitis, die hilft einzuschätzen, ob auf eine Dauermedikation verzichtet werden kann, und damit für Patienten von unmittelbarem therapeutischen Nutzen ist. Den zweiten Preis teilen sich die Grundlagenforscherinnen Dr. Xuejun Chai und Priv.-Doz. Dr. Catherine Meyer-Schwesinger für ihre Arbeiten über zelluläre Mechanismen bei der Embryonalentwicklung des Gehirns und bei der Blutfiltration in der Niere.

„Das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf hat eine besondere Kompetenz in der Entzündungsforschung und in den Neurowissenschaften. Das wird durch den Dr. Martini-Preis eindrucksvoll unterstrichen: Die Preisträgerinnen und der Preisträger forschen am Hamburg Center for Inflammation, Infection and Immunity beziehungsweise am Hamburg Center of Neuroscience. Beide Forschungsschwerpunkte hat der Wissenschaftsrat als besonders zukunftsrelevant eingestuft. Ich gratuliere den Geehrten sehr herzlich!“, sagt Katharina Fegebank, Senatorin für Wissenschaft, Forschung und Gleichstellung der Freien und Hansestadt Hamburg.

„Die wissenschaftliche Exzellenz der drei Preisarbeiten hat uns im besonderen Maße überzeugt. Sie zeigen in vorbildlicher Weise, wie Forschung zu verbesserter Behandlung oder neuartigen Therapieansätzen führen kann“, sagt Prof. Dr. Ansgar W. Lohse, Vorsitzender des Kuratoriums der Dr. Martini-Stiftung. „Überdies möchten wir der Hamburgischen Stiftung für Wissenschaften, Entwicklung und Kultur Helmut und Hannelore Greve unseren Dank aussprechen. Durch ihre großzügige Unterstützung wird die Würde dieses hochangesehenen Preises auch finanziell wieder sichtbar.“

Autoimmune Hepatitis: Verbesserte Behandlung durch klinische Forschung
Die autoimmune Hepatitis stellt eine relativ seltene, aber äußerst aggressive Lebererkrankung dar, die unbehandelt rasch zu einer Leberzirrhose und zum Tod führen kann. Rechtzeitig entdeckt, lässt sich die Krankheit sehr gut mit immunsuppressiven Medikamenten behandeln, die die Entzündung in der Leber unterdrücken. Die Arbeit von Dr. Johannes Hartl von der I. Medizinischen Klinik und Poliklinik des UKE liefert nun erstmals eine Entscheidungsgrundlage bei der bislang schwierig zu beantwortenden Frage, welcher Patient eine Dauertherapie benötigt oder bei wem die immunsuppressive Therapie erfolgreich beendet werden kann: Er entwickelte und validierte eine Methode, die Routine-Laborwerte neu bewertet und die verbliebene Krankheitsaktivitität genauer einschätzt. Dies hilft behandelnden Ärzten, das Rückfallrisiko von Patienten, und damit ihre Erfolgschancen auf ein Leben ohne Immunsuppressiva, sicherer zu bestimmen.

Gehirnentwicklung beim Embryo: Wie Neuronen wandern und ihren Platz finden
Die Großhirnrinde, oder Kortex, ist der Teil des Gehirns, mit dem Sinneseindrücke verarbeitet, Informationen gespeichert und Pläne entwickelt werden. Beim Menschen enthält der Kortex schätzungsweise 15 Milliarden Nervenzellen, so genannte Neurone, die sich während der embryonalen Gehirnentwicklung korrekt positionieren müssen. Dr. Xuejun Chai vom Institut für Strukturelle Neurobiologie des UKE ist den Mechanismen der neuronalen Wanderung nun einen wichtigen Schritt nähergekommen. Mittels innovativer Techniken, mit denen lebende Neuronen beim Wandern beobachtet werden können, gewann sie wichtige Erkenntnisse, wie das Eiweiß Reelin die Migration der Nervenzellen von ihrem Geburtsort zu ihrem endgültigen Bestimmungsort im Kortex steuert. Eine gestörte neuronale Wanderung wird im Zusammenhang mit Schizophrenie, Autismus oder auch Epilepsie diskutiert. Ihre Forschungsarbeit könnte neuartige Therapieansätze bei Krankheiten des Zentralnervensystems möglich machen, so die Hoffnung der Wissenschaftlerin.

Nierenerkrankungen: Erkenntnisse zum Ersatz filtrierender Podozyten
Im Glomerulus der Niere findet die Blutfiltration statt, der Primärharn entsteht. Eine Schlüsselrolle haben dabei so genannte Podozyten; Zellen, die mit ihren vielen Fortsätzen wie ein Sieb arbeiten und den Übertritt wichtiger Blutbestandteile in den Primärharn verhindern. Ein Verlust von über 20 Prozent der Podozyten im Rahmen glomerulärer Erkrankungen führt langfristig zu einer dialysepflichtigen Niereninsuffizienz. Priv.-Doz. Dr. Catherine Meyer-Schwesinger von der III. Medizinischen Klinik und Poliklinik des UKE konnte in ihrer Arbeit erstmals einen molekularen Schalter demonstrieren, der ermöglicht, dass sich Parietalzellen, ein weiterer Zelltyp im Glomerulus, zu Podozyten umwandeln können. Mit ihren Erkenntnissen ist die Wissenschaftlerin neuen therapeutischen Konzepten, die die Regeneration von Podozyten unterstützen und den Verlust dieser Zellen bei glomerulären Erkrankungen der Niere unterbinden könnten, einen wichtigen Schritt näher gerückt.

Über die Dr. Martini-Stiftung
Die Dr. Martini-Stiftung wurde 1880 von Freunden und Kollegen des im gleichen Jahr verstorbenen Chirurgen Dr. Erich Martini ins Leben gerufen. Der Dr. Martini-Preis – Deutschlands ältester Medizinpreis – wird jedes Jahr am 12. Februar, dem Todestag des Mediziners, verliehen. In diesem Jahr wird der Preis erstmalig von der Hamburgischen Stiftung für Wissenschaften, Entwicklung und Kultur Helmut und Hannelore Greve dotiert. Die Dotierung von insgesamt 10.000 Euro verteilt sich auf den ersten (5000 Euro) und den geteilten zweiten Platz (jeweils 2.500 Euro).

4.1.2016

DFG fördert neue Klinische Forschergruppe im UKE mit vier Millionen Euro – Entzündlicher Lebererkrankung auf die Spur kommen

Bei Patienten mit Primär Sklerosierender Cholangitis, kurz PSC, vernarben die Gallengänge. Die in ihrem Verlauf bislang weitgehend unerforschte und nicht heilbare Krankheit führt zum Funktionsverlust der Leber und endet nicht selten tödlich. Nun können Wissenschaftler und Mediziner am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) auf entscheidende Erkenntnisse und neuartige Therapieansätze hoffen: In den kommenden drei Jahren unterstützt die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) die neue Klinische Forschergruppe 306 „Primär Sklerosierende Cholangitis“ mit mehr als vier Millionen Euro.

„Unser Standort ist für die Diagnostik, Therapie und Erforschung autoimmuner Lebererkrankungen bereits exzellent ausgewiesen. Mit den nun bewilligten Forschungsgeldern haben wir jetzt beste Voraussetzungen, das komplexe Krankheitsbild PSC erstmals umfassend zu entschlüsseln“, sagt Prof. Dr. Ansgar W. Lohse, Direktor der I. Medizinischen Klinik und Poliklinik des UKE und Sprecher der neuen Forschergruppe.

Bei der PSC handelt es sich um eine chronische, vernarbende Entzündung der Gallengänge in und außerhalb der Leber. Die Krankheit ist zwar selten, befällt aber vor allem junge Erwachsene und führt meist innerhalb von 10 bis 20 Jahren zu einem Leberversagen. Da es bislang keine Therapie gibt, die den fortschreitenden Krankheitsverlauf wirksam aufhalten kann, stellt die PSC eine der häufigsten Indikationen zur Lebertransplantation dar. „Die Krankheit tritt bei zwei von drei Patienten zusammen mit einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung auf. Hier setzt auch unsere Ursachenforschung an“, erklärt Prof. Dr. Christoph Schramm, designierter Leiter der Klinischen Forschergruppe 306. „Denn wie bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen gehen wir davon aus, dass die PSC durch eine fehlgeleitete Immunreaktion an der Schleimhaut der Gallengänge ausgelöst wird. Ursächlich sind vermutlich Darmbakterien, die den Fettstoffwechsel und die Barrierefunktion der Schleimhäute beeinflussen. Wir suchen also im Mikrobiom – der Gesamtheit aller Mikroorganismen, die in unserem Verdauungstrakt leben – nach Antworten.“

Seltene Erkrankungen wie die PSC gelten als Waisen der Medizin und Forschung. Der Weg zu einer Diagnose ist oftmals weit und wirksame Therapien sind rar. Viele Patienten sind dauerhaft auf ärztliche Behandlung angewiesen. Für Forschungsansätze sind häufig zu wenige Patienten vorhanden. Mit der KFO 306 „Primär Sklerosierende Cholangitis“ baut das UKE sein Engagement auf dem Gebiet der seltenen Erkrankungen weiter aus. 2013 wurde hier das Martin Zeitz Centrum für Seltene Erkrankungen (MZCSE) mit dem Ziel gegründet, die Behandlungsmöglichkeiten dieser Erkrankungen zu erforschen sowie die Diagnostik und Therapie betroffener Patienten zu verbessern. Im zugehörigen YAEL-Centrum für Autoimmune Lebererkrankungen werden jährlich über 200 Patienten mit PSC behandelt – sie bilden die Patientenkohorten für die geplanten klinischen Studien der KFO 306.

Um die komplexe Interaktion von Immunreaktion, Stoffwechsel und Mikrobiom aufzuklären, sind in der neuen Forschergruppe Immunologen, Molekularbiologen, Biochemiker sowie Wissenschaftler aus der Grundlagenforschung und Klinik miteinander vernetzt. Neben Kliniken und Instituten des UKE sind Arbeitsgruppen des Hamburger Heinrich-Pette-Instituts und der Christian-Albrechts-Universität in Kiel eingebunden. Weitere Kooperationspartner kommen aus Hannover, Wien, Paris und Oslo.

3.12.2015

Prof. Schramm neuer wissenschaftlicher Leiter des Centrums für Seltene Erkrankungen im UKE

Prof. Dr. Christoph Schramm ist zum wissenschaftlichen Leiter des Martin Zeitz Centrums für Seltene Erkrankungen im Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) berufen worden. Prof. Schramm hat die Helmut und Hannelore Greve Stiftungsprofessur für Seltene Erkrankungen erhalten. Dafür stellt die Stiftung für Wissenschaft, Entwicklung und Kultur Helmut und Hannelore Greve dem UKE in den nächsten fünf Jahren insgesamt 1,25 Millionen Euro zur Verfügung. Ziel der Stiftungsprofessur ist es, den am UKE bestehenden Forschungs- und Behandlungsschwerpunkt der seltenen Erkrankungen weiter auszubauen.

Prof. Schramm war bislang stellvertretender Direktor der I. Medizinischen Klinik des UKE. Er hat in Heidelberg und Köln Medizin studiert und war zunächst an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz beschäftigt, bevor er 2005 als Facharzt für Innere Medizin ins UKE wechselte und dort 2006 habilitierte. Wissenschaftliche Schwerpunkte seiner Arbeit sind die klinische Immunologie sowie autoimmune Lebererkrankungen – ein wesentlicher Fokus auch im Centrum für Seltene Erkrankungen.

Das Martin Zeitz Centrum für Seltene Erkrankungen (MZCSE) wurde 2013 mit Unterstützung der Behörde für Gesundheit und Verbraucherschutz gegründet. Hier arbeiten Spezialisten zahlreicher Kliniken und Institute des UKE interdisziplinär zusammen. Zu den Behandlungsschwerpunkten zählen angeborene Stoffwechsel- und Gefäßerkrankungen sowie Leber- und Nierenleiden. Die Ziele des Centrums sind vielfältig: die Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten seltener Erkrankungen sollen erforscht, die Diagnostik, Therapie und Betreuung betroffener Patienten verbessert werden. Auch die ärztliche Aus- und Weiterbildung auf dem Gebiet seltener Erkrankungen spielt eine wichtige Rolle. Sprecher des Centrums ist der frühere Leiter der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin, Prof. Dr. Kurt Ullrich. Weitere Informationen: www.uke.de/seltene-erkrankungen.

Die Stifter Prof. Dr. Dr. h. c. Helmut Greve und Prof. Dr. h. c. Hannelore Greve, Ehrenbürger der Stadt Hamburg, haben zahlreiche wissenschaftliche Einrichtungen in Hamburg großzügig gefördert, neben dem UKE vor allem die Universität, die Hochschule für Musik und Theater sowie die Akademie der Wissenschaften.

3.9.2015

Hepatitis-B-Virus-Infektion: Neuer Ansatz für Therapie gefunden

Gemeinsam mit der I. Medizinischen Klinik des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) und dem Deutschen Zentrum für Infektionsforschung (DZIF) haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Heinrich-Pette-Instituts (HPI), Leibniz-Institut für Experimentelle Virologie zwei hochkonservierte Sequenzen im Genom des Hepatitis-B-Virus (HBV) als Angriffspunkte für ein verbessertes Genom-Editing-System identifiziert. In der Fachzeitschrift „Scientific Reports“ zeigen sie, dass das CRISPR/Cas9-Nickase-System sowohl die integrierte als auch die episomale Hepatitis-B-Virus-DNA in Zellen eliminieren kann.

Weltweit leiden 350 Millionen Menschen an einer chronischen Hepatitis-B-Virus (HBV)-Infektion. Doch aktuelle Therapien sind teuer, langwierig oder haben schwerwiegende Nebenwirkungen. Da sich die HBV-DNA sowohl in das Genom der Leberzellen integriert, als auch in einer episomalen, ringförmigen DNA (covalently closed circular DNA, cccDNA) in den Zellen vorliegt, ist eine vollständige Heilung mit den derzeitigen Methoden nicht möglich.

Neue Genom-Editing-Methoden, darunter das CRISPR/Cas9 RNA-gesteuerte Nuklease-System, gelten durch ihre zielgenaue Erkennung und das Zerschneiden spezifischer DNA-Abschnitte als vielversprechende Ansätze bei der Entwicklung neuer Therapien gegen Viruserkrankungen. Der große Nachteil beim Einsatz von Nukleasen liegt jedoch in der hohen Gefahr von unspezifischen Effekten. Den Hamburger Forscherinnen und Forschern ist es nun gelungen, zwei konservierte Sequenzen im HBV-Genom zu identifizieren, die mithilfe einer mutierten „Nickase“-Version des Cas9-Enzyms durch Einzelstrangbrüche zielgenau und effektiv inaktiviert werden können. Prof. Joachim Hauber, Leiter der HPI-Abteilung „Antivirale Strategien“ freut sich: „Unsere Erkenntnisse, lassen die Hoffnung zu, dass durch die Weiterentwicklung von Designer-Nukleasen wie dem CRISPR/Cas9n-System in absehbarer Zeit eine vollständige Heilung von chronischen HBV-Infektionen möglich ist.“

Originalpublikation:
Karimova M, Beschorner N, Dammermann W, Chemnitz J, Indenbirken D, Bockmann JH, Grundhoff A, Lüth S, Buchholz F, Schulze zur Wiesch J, Hauber J. CRISPR/Cas9 nickase-mediated disruption of hepatitis B virus open reading frame S and X. Scientific Reports. 5:13734. DOI:10.1038/srep13734.

Auf unserer SFB Seite erklärt Dr. Schulze zur Wiesch, Co-Autor der Studie und Projektleiter im SFB 841, die Forschungsergebnisse und deren Relevanz. Das Interview finden Sie hier.

23.3.2015

Vielversprechender Therapieansatz bei chronischer Hepatitis C

Neuartige Behandlung mit Antikörpern hindert Viren bereits am Zelleintritt

Ein internationales Forscherteam unter Beteiligung des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) hat einen neuartigen Weg aufgezeigt, wie sich eine chronische Hepatitis C heilen lässt. Statt das Virus selbst zu attackieren, blockierten die Wissenschaftler erfolgreich ein Leberprotein, welches das Virus als Andockstelle und Eintrittspforte in die Zelle benötigt. Die unter Leitung der Universität Straßburg, Frankreich, erzielten Forschungsergebnisse erscheinen heute in der renommierten Fachzeitschrift Nature Biotechnology.

Um den Therapieansatz an menschlichen Leberzellen zu testen, arbeiteten die Wissenschaftler mit einem im UKE entwickelten und im Rahmen des Sonderforschungsbereichs 841 „Leberentzündung“ genutzten Modell. „Wir freuen uns sehr, dass unser Modell auch international Anwendung findet und das große Potential dieses neuen Behandlungsansatzes aufzeigen konnte“, sagt Prof. Dr. Maura Dandri, Projektverantwortliche im SFB 841 und Leiterin der Arbeitsgruppe „Virushepatitis“ an der I. Medizinischen Klinik und Poliklinik des UKE.

Da die Methode nicht beim Virus, sondern auf Wirtsebene ansetzt, hat sie den entscheidenden Vorteil, dass der Krankheitserreger kaum Resistenzen entwickeln kann. Die Wissenschaftler sind darüber hinaus zuversichtlich, dass ihre Ergebnisse auch für andere Infektionen von Relevanz sind. „Nicht nur das Hepatitis C Virus, auch andere Viren und Bakterien nutzen den hier im Fokus stehenden Rezeptor, um in die Wirtszellen zu gelangen. Diesen mit künstlich hergestellten Antikörpern zu blockieren, sollte daher ein guter Ansatzpunkt sein, um auch Therapien gegen weitere Erkrankungen zu suchen“, erklärt Prof. Dandri weiter die Bedeutung der neuen Behandlungsoption.

Neben UKE und Universität Straßburg (Leitung Prof. Thomas Baumert) sind darüber hinaus weitere Forschungsgruppen aus Straßburg, Nantes, Birmingham, Basel, Heidelberg, Gent, Dresden sowie Boston beteiligt.

Originalpublikation:
Mailly et al. (2015). Clearance of persistent hepatitis C virus infection in humanized mice using a claudin-1-targeting monoclonal antibody. Nature Biotechnology. Advance Online Publication on March 23, 2015. DOI: 10.1038/nbt.3179

Kontakt:
Prof. Dr. Maura Dandri
I. Medizinische Klinik und Poliklinik
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Martinistr. 52
20246 Hamburg
E-Mail: m.dandri@uke.de

Dr. Marc Lütgehetmann
Institut für Mikrobiologie, Virologie und Hygiene
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Martinistr. 52
20246 Hamburg
E-Mail: m.luetgeh@uke.de

7.08.2014

2,8 Millionen Euro Förderung vom Bundesforschungsministerium
UKE-Wissenschaftler erproben neuartige Therapie gegen Multiple Sklerose

Wissenschaftler des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) erhalten vom Bundesministerium für Bildung und Forschung eine Förderung in Höhe von rund 2,8 Millionen Euro für die Entwicklung einer neuartigen Therapie gegen Multiple Sklerose. Das Projekt mit dem Namen „NANOdeLIVER“ läuft drei Jahre. In dieser Phase wird zunächst die Sicherheit eines neuen Wirkstoffs getestet. In einem späteren Schritt soll die Wirksamkeit geprüft und mit vorhandenen Medikamenten verglichen werden.

„Wir wollen ein mögliches neues Arzneimittel für die Behandlung der Multiplen Sklerose klinisch testen“, erklärt Projektleiter Priv.-Doz. Dr. Johannes Herkel von der I. Medizinischen Klinik des UKE. Ziel sei es, die bei Autoimmunerkrankungen wie der Multiplen Sklerose fehlgeleiteten, krankmachenden Immunantworten gezielt zu unterdrücken. „Herkömmliche Medikamente, sogenannte Immunsupressiva, beeinflussen unterschiedslos alle Immunantworten, auch die für den Organismus erwünschten. Die neue Behandlung könnte sehr viel zielgerichteter sein.“ Im Labor habe das neue Prinzip seine Effektivität bereits unter Beweis gestellt. Dr. Herkel: „Jetzt wollen wir sehen, ob es auch in der klinischen Praxis funktioniert.“

Entwickelt wurde das neuartige Therapiekonzept am Sonderforschungsbereich (SFB) 841 des UKE. Im Zentrum des von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten SFB stehen Leberentzündungen. Den Bogen von der Leber zu Autoimmunerkrankungen wie der Multiplen Sklerose konnten die Forscher schlagen: „Wir koppeln die krankheitsauslösenden Bestandteile an winzige Nanopartikel und bringen sie über die Blutbahn in bestimmte Leberzellen“, sagt Johannes Herkel. Die Leberzellen würden dann die Immuntoleranz herstellen, also die überschießende Immunantwort unterdrücken.

Mit dem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) bereitgestellten Fördergeld kann die arzneimittelrechtskonforme Herstellung der Nanopartikel, deren toxikologische Testung sowie eine erste klinische Prüfung finanziert werden. „Es geht im ersten Schritt darum, zu zeigen, dass wir das Mittel sauber herstellen können und dass es unbedenklich ist“, erläutert Dr. Herkel. Erst in der nächsten Projektphase könne die Wirksamkeit entsprechend den strengen Anforderungen an klinischen Studien untersucht werden. „Wir hoffen, dann auch Pharmafirmen für das Projekt zu interessieren, so dass die öffentlichen Fördermittel wie eine Anschubfinanzierung wirken.“

Die Multiple Sklerose dient den UKE-Forschern als Modellkrankheit für Autoimmunerkrankungen. Gemeinsames Kennzeichen dieser Erkrankungen ist ein fehlgeleitetes Immunsystem: Statt gegen körperfremde Krankheitserreger – wie im Falle einer Infektion – wenden sich die Abwehrzellen gegen Bestandteile (Autoantigene) des eigenen Körpers. Weitere Autoimmunerkrankungen sind beispielsweise Diabetes Typ I oder Rheumatoide Arthritis.

An dem Forschungsvorhaben sind neben der I. Medizinischen Klinik noch zwei weitere UKE-Einrichtungen beteiligt: das Institut für Biochemie und Molekulare Zellbiologie (IBMZ, Prof. Dr. Jörg Heeren) und das Institut für Neuroimmunologie und Multiple Sklerose (inims, Prof. Dr. Christoph Heesen). Das Forschungsvorhaben ist zudem Teil des Konsortialverbunds „NEU²“ – ein Zusammenschluss des UKE mit verschiedenen Unternehmen und Forschungseinrichtungen (u.a. Merck KGaA, Biotest AG, Evotec AG, European ScreeningPort, Bionamics GmbH). Ziel des Verbunds ist die Entwicklung neuer Behandlungsmethoden und diagnostischer Konzepte bei Multipler Sklerose und anderen neurodegenerativen Erkrankungen. Weitere Informationen dazu im Internet: www.neu-quadrat.de

Kontakt:
Priv.-Doz Dr. Johannes Herkel
I. Medizinische Klinik und Poliklinik
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Martinistr. 52
20246 Hamburg
Telefon: (040) 7410-59736 oder -59038
E-Mail: jherkel@uke.de

15.05.2014

Renommierter Wissenschaftspreis an Hamburger Mediziner Dr. Schulze zur Wiesch

Der Mediziner Dr. Julian Schulze zur Wiesch von der I. Medizinischen Klinik und Poliklinik des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) wird mit dem renommierten Robert-Koch-Förderpreis für junge Wissenschaftler ausgezeichnet. Grundlage sind seine herausragenden Arbeiten in der Erforschung der Immunreaktion des Menschen bei Hepatitis und AIDS.

Mit dem Preis wird Dr. Schulze zur Wiesch für seine Arbeiten auf dem Gebiet der Virusimmunologie, insbesondere im Bereich der Hepatitis- und HIV-Erkrankungen ausgezeichnet. Konkret geht es darum, warum manche Erkrankte diese Infektionen kontrollieren und „in Schach halten“ können, andere Patientinnen und Patienten mit den gleichen Infektionen aber chronische Krankheiten entwickeln. Die Antworten auf diese Fragen können helfen, neue Behandlungsmethoden und langfristig Impfstoffe zu entwickeln.

„Ich freue mich außerordentlich, dass unsere Arbeiten zur klinischen Virusimmunologie mit dem Robert-Koch-Förderpreis gewürdigt werden“, sagt Dr. Schulze zur Wiesch. „Zudem ist es für mich eine besondere Ehre, diesen Preis als klinisch tätiger Arzt zu erhalten, da mir die Verbindung zwischen klinischen Fragestellungen und Grundlagenforschung sehr wichtig erscheint“.

Mit dem Robert-Koch-Förderpreis ehrt Clausthal-Zellerfeld, die Geburtsstadt Robert Kochs, seit 1981 alle zwei Jahre auf Vorschlag der Robert-Koch-Stiftung herausragende Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler für besondere Leistungen auf dem Gebiet der Infektionsforschung. Der Preis ist mit 5.000 Euro dotiert und wird am 12. September 2014 in Clausthal-Zellerfeld verliehen.

Die Forschungsarbeiten wurden im Rahmen des Sonderforschungsbereichs SFB 841 „Leberentzündung – Infektion, Immunregulation und Konsequenzen“ (www.sfb841.de) und des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung (www.dzif.de) am DZIF-Standort Hamburg durchgeführt.

Zur Person

Dr. med. Julian Schulze zur Wiesch studierte zunächst Medizin an der Universität Hamburg und promovierte am Institut für Medizinische Mikrobiologie und Virologie (Direktor Prof. Rainer Laufs) zur Biologie des Hepatitis-C-Virus. Anschließend absolvierte er ein Post Doc Stipendium am Massachusetts General Hospital der Harvard Universität, Boston im Labor von Prof. Bruce D. Walker.
Nach seiner Rückkehr im Jahr 2006 an die 1. Medizinische Klinik des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (Direktor Prof. Ansgar W. Lohse) setzte Herr Schulze zur Wiesch neben seiner klinischen Arbeit seine Forschung im Bereich der Virushepatologie als Einzelgruppenleiter im Sonderforschungsbereich SFB 841 fort. Als Gastforscher am Heinrich-Pette-Institut – Leibniz-Institut für Experimentelle Virologie, bearbeitet Herr Schulze zur Wiesch in enger Kooperation mit Prof. Joachim Hauber (Leiter der Forschungsgruppe Antivirale Strategien) und Prof. Jan van Lunzen (1. Medizinische Klinik, UKE) in mehreren vom Deutschen Zentrum für Infektionsforschung (DZIF) geförderten Projekten Fragen zur zellulären Immunität bei der HIV Infektion. Im Jahr 2013 erhielt Dr. Julian Schulze zur Wiesch den Preis der Hamburger Werner-Otto-Stiftung für seine Forschung zum AIDS-Virus HIV.

Kontakt:
Dr. med. Julian Schulze zur Wiesch, I. Medizinische Klinik, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Martinistr. 52, 20246 Hamburg, Tel.: 0152 / 22816113, E-Mail: j.schulze-zur-wiesch@uke.de

12.01.2014

Patientennahe Grundlagenforschung zu Nieren- und Lebererkrankungen
Drei UKE-Wissenschaftler mit Dr. Martini-Preis 2014 ausgezeichnet

Drei Wissenschaftler aus dem Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) sind heute im Beisein von Wissenschaftssenatorin Dr. Dorothee Stapelfeldt mit dem Dr. Martini-Preis 2014 ausgezeichnet worden. Dr. Christian Krebs, Janosch Katt und Prof. Dr. Christoph Schramm erhalten den Forschungspreis für ihre Arbeiten zu autoimmunen Nieren- und Lebererkrankungen. Dabei handelt es sich um Erkrankungen, die bislang schwierig zu therapieren sind und unbehandelt zum Organversagen führen können.

“Meine besten Glückwünsche an die diesjährigen Preisträger Dr. Christian Krebs, Janosch Katt und Prof. Dr. Christoph Schramm. Es ist ein gutes Zeichen, dass ausgerechnet Deutschlands ältester Wissenschaftspreis der Medizin ganz bewusst junge Wissenschaftlerinnen undWissenschaftler fördert. Ich danke der Dr. Martini-Stiftung im Namen des Senats der Freien und Hansestadt Hamburg für ihr wichtiges und traditionsreiches Engagement“, sagte Dr. Dorothee Stapelfeldt, Senatorin für Wissenschaft und Forschung.

„Wir freuen uns, dass drei junge Wissenschaftler des UKE mit dem Preis der Dr. Martini-Stiftung ausgezeichnet werden. Auf gezielte Nachwuchsförderung legen wir im UKE ausgesprochen großen Wert. Das zeigt sich auch in der hohen Qualität der wissenschaftlichen Arbeit des heute ausgezeichneten Forschernachwuchses“, sagt Prof. Dr. Dr. Uwe Koch-Gromus, Dekan der Medizinischen Fakultät und Vorstandsmitglied des UKE.

„Die preisgekrönten Arbeiten unterstreichen die besondere Bedeutung von klinischer Grundlagenforschung. Sie kann die Basis für eine verbesserte Behandlung von Patienten legen“, sagt Prof. Dr. Ansgar W. Lohse, Vorsitzender des Kuratoriums der Dr. Martini-Stiftung und Direktor der I. Medizinischen Klinik am UKE.

Besseres Verständnis für die Entstehung von Nierenerkrankungen
Glomerulonephritiden (GN) sind eine Gruppe von Autoimmunerkrankungen, die unbehandelt rasch zu einem Verlust der Nierenfunktion führen können. Dr. Christian Krebs und Kollegen der III. Medizinischen Klinik charakterisierten mit ihrer Forschung grundlegende Mechanismen, die bei GNErkrankten die Entzündungszellen, insbesondere T-Zellen, regulieren und so die Niere schädigen. Ein tiefgreifendes Verständnis der Krankheitsursache, so die Forscher, ist entscheidend, um gezielte medikamentöse Therapieansätze aufdecken und Patienten effizienter behandeln zu können.

Mikroben in der Leber beeinflussen Krankheitsverlauf
Die Primär Sklerosierende Cholangitis (PSC) ist eine chronische Lebererkrankung, bei der es unter Entzündungsreaktionen zu einer Vernarbung der Gallengänge kommt. Es gibt bislang keine etablierte Therapie, die den fortschreitenden Verlauf der Krankheit aufhalten kann. Die Forschungsarbeiten von Janosch Katt und Prof. Dr. Christoph Schramm unterstreichen, dass Infektionen der Gallenwege mit Bakterien und Pilzen für diese Lebererkrankung offenbar von großer Bedeutung sind. Ihre Erkenntnisse zur spezifischen Reaktion des Immunsystems bei PSC-Patienten könnten ein möglicher Ansatzpunkt für zukünftige Therapien sein, hoffen die Wissenschaftler.

Über die Dr. Martini-Stiftung
Die Dr. Martini-Stiftung wurde 1880 von Freunden und Kollegen des im gleichen Jahr verstorbenen
Chirurgen Dr. Erich Martini ins Leben gerufen. Der Dr. Martini-Preis wird jedes Jahr am 12. Februar, dem Todestag des Mediziners, verliehen. Der Preis ist mit 3000 Euro dotiert.

Weitere Informationen im Internet:
- Klinische Forschergruppe 228 Immunopathogenesis and Therapy of Glomerulonephritis:
www.kfo228.de
- Sonderforschungsbereich 841 „Leberentzündung“: www.sfb841.de
- Seltene autoimmune Nieren- und Lebererkrankungen sind Teil des 2013 gegründeten
Universitären Centrums für Seltene Erkrankungen: www.uke.de/seltene-erkrankungen

Kontakt:
Prof. Dr. Ansgar W. Lohse, I. Medizinische Klinik, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf,
Martinistr. 52, 20246 Hamburg, Tel.: (040) 7410-53910, E-Mail: alohse@uke.de
Dr. Christian Krebs, III. Medizinische Klinik, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Martinistr. 52, 20246 Hamburg, Tel.: (040) 7410-53717, E-Mail: c.krebs@uke.de
Prof. Dr. Christoph Schramm, I. Medizinische Klinik, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf,
Martinistr. 52, 20246 Hamburg, Tel.: (040) 7410-52545, E-Mail: c.schramm@uke.de

16.01.2014

UKE-Wissenschaftler weisen neue Fähigkeiten von Hepatitisviren nach
Hepatitis D-Virus überlebt in menschlichen Leberzellen länger als gedacht

Hepatits D-Viren galten bislang als nicht lebensfähig, wenn nicht gleichzeitig eine Infektion mit Hepatitis B vorlag. Wissenschaftler um Prof. Dr. Maura Dandri und Dr. Marc Lütgehetmann, beide Projektleiter im Sonderforschungsbereich „Leberentzündung“ (SFB 841) am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE), wiesen nun erstmals nach, dass das Hepatitis D-Virus in menschlichen Leberzellen wochenlang alleine überleben kann. Ihre Erkenntnisse, veröffentlicht in der Fachzeitschrift “Journal of Hepatology”, können erklären, warum chronisch mit dem Hepatitis B- und D-Virus infizierte Patienten häufig mit Rückfällen zu kämpfen haben.

Eine zusätzliche Infektion mit Hepatitis D kann eine chronische Hepatitis B verschlechtern, das Risiko schwerer Krankheitsverläufe mit fortgeschrittener Zirrhose ist deutlich erhöht. „Es ist bekannt, dass das Hepatitis D-Virus nur dann die Wirtszelle verlassen und neue Zellen befallen kann, wenn das Hepatitis B-Virus ebenfalls zugegen ist. Über die alleinige Überlebensfähigkeit des Hepatitis D-Virus war wenig bekannt“, erläutert Prof. Dandri.

Für ihre Untersuchungen nutzt das Team ein innovatives, so genanntes uPA/SCID Modell mit menschlichen Leberzellen. In diesem Modell konnten die UKE-Forscher eine isolierte Hepatitis D-Virusinfektion auslösen und zeigen, dass das Virus deutlich autonomer und resistenter ist als bislang angenommen. „Ohne das Hepatitis B-Virus ist Hepatitis D zwar in der Zelle gefangen, bleibt aber, anders als häufig angenommen, über einen langen Zeitraum infektiös. Auch wenn die Hepatitis B-Infektion erst nach sechs Wochen hinzukommt, fangen die Hepatitis D-Viren wieder an, sich zu vermehren und neue Zellen zu befallen“, erklärt Dr. Lütgehetmann.

Diese neuen Erkenntnisse machen deutlich, so die Forscher, dass neue therapeutische Strategien, die den Replikationszyklus des Hepatitis D-Virus direkt beeinflussen, dringend benötigt werden. Sie könnten auch den langfristigen Behandlungserfolg von lebertransplantierten Patienten, die zuvor chronisch mit Hepatitis B und D infiziert waren, deutlich verbessern.

Weitere Informationen zu den Inhalten und Aktivitäten des Sonderforschungsbereichs 841 „Leberentzündung“ gibt es im Internet. Dort ist auch ein aktuelles Video zu den Ergebnissen der HDV-Studie zu sehen: www.sfb841.de

Literatur:
Katja Giersch, Martina Helbig, Tassilo Volz, Lena Allweiss, Lida V. Mancke, Ansgar W. Lohse, Susanne Polywka, Jörg M. Pollok, Jörg Petersen, John Taylor, Maura Dandri, Marc Lütgehetmann (2013). Persistent hepatitis D virus mono-infection in humanized mice is efficiently converted by hepatitis B virus to a productive co-infection. Journal of Hepatology

Kontakt:
Dr. Marc Lütgehetmann
Institut für Mikrobiologie, Virologie und Hygiene
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Martinistr. 52
20246 Hamburg
Tel.: (040) 7410-52949
E-Mail: mluetgeh@uke.de

Prof. Dr. Maura Dandri
I. Medizinische Klinik und Poliklinik
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Martinistr. 52
20246 Hamburg
Tel.: (040) 7410-52949
E-Mail: m.dandri@uke.de

22.11.2013

Erfolgreiche Forschung
DFG fördert SFB 841 „Leberentzündung“ für weitere vier Jahre

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) hat am 21. November 2013 die zweite Förderperiode für den Sonderforschungsbereich (SFB) 841 „Leberentzündung – Infektion, Immunregulation und Konsequenzen“ bewilligt. Mit der Verlängerung erhält der SFB 841 im Zeitraum 2014 bis 2017 Fördermittel von insgesamt mehr als 14 Millionen Euro. Etwa 100 Wissenschaftler in 22 Teilprojekten werden so die auslösenden Ursachen und Mechanismen entzündlicher Lebererkrankungen weiter erforschen und Grundlagen für neue Therapieansätze legen können.

„Wir freuen uns sehr, die erfolgreiche Arbeit der vergangenen vier Jahre fortzusetzen. Insbesondere bei der Etablierung und Charakterisierung experimenteller Modelle von Entzündungsprozessen in der Leber und bei der Analyse autoimmuner Lebererkrankungen konnten die Arbeitsgruppen des SFB wichtige Befunde erzielen und eine weltweit führende Rolle einnehmen. Außerdem beginnen wir zu verstehen, wie sich aus einer chronischen Entzündung Tumore entwickeln können“, sagt Prof. Dr. Ansgar W. Lohse, Direktor der I. Medizinischen Klinik des UKE und Sprecher des SFB 841. In der neuen Förderperiode sind 12 universitäre und außeruniversitäre Forschungseinrichtungen im SFB 841 vertreten, mit einem Schwerpunkt der Projekte am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE). Neben dem UKE und der Universität Hamburg beteiligen sich das Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin sowie das Heinrich Pette-Institut (Leibniz-Institut für Experimentelle Virologie), beide in Hamburg, das Biochemische Institut der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel und das Goldyne Savad Institute of Gene Therapy der Hebrew University of Jerusalem, Israel, an der Forschungsinitiative.

„Die positive Begutachtung durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft ist ein deutliches Zeichen der Wertschätzung unserer Forschungsleistungen. Wir sind glücklich, dass die bislang geleistete Arbeit fortgeführt werden kann. Durch den Sonderforschungsbereich Leberentzündung und seine Kooperationen konnte die Infektionsforschung am UKE und am gesamten Wissenschaftsstandort Hamburg entscheidend ausgebaut werden“, sagt Prof. Dr. Dr. Uwe Koch-Gromus, Dekan der Medizinischen Fakultät des UKE und Mitglied des UKE-Vorstands.

Seit Beginn ist die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses ein Schwerpunkt des SFB 841. Die Forschungsstipendien und das intensive Betreuungskonzept des Graduiertenkollegs haben sich dabei besonders bewährt. „Wir sind erfreut, dass unser Modell der Doktorandenausbildung am UKE beispielgebend ist und auch von anderen Sonderforschungsbereichen in Deutschland aufgegriffen wird“, sagt Prof. Dr. Gisa Tiegs, Institut für Experimentelle Immunologie und Hepatologie des UKE, Leiterin des Graduiertenkollegs sowie stellvertretende Sprecherin des SFB 841.

Entzündliche Lebererkrankungen gehören sowohl in Deutschland als auch weltweit zu den Erkrankungen mit der höchsten Prävalenz. Seit der Gründung des SFB 841 im Jahr 2010 untersuchen die beteiligten Wissenschaftler, wie Infektabwehr, Entzündungsprozesse, Regeneration, aber auch malignes Wachstum in der Leber reguliert werden und miteinander agieren. Ziel ist es, neue Strategien und Ansatzpunkte für die Diagnostik und Therapie von Lebererkrankungen zu entwickeln. Insgesamt ist eine zwölfjährige Förderung von Sonderforschungsbereichen durch die DFG möglich.

Kontakt:
Dr. Insa Cassens
Wissenschaftliche Referentin für Nachwuchs- und Öffentlichkeitsarbeit
SFB 841 – Leberentzündung
I. Medizinische Klinik und Poliklinik
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Martinistr. 52
20246 Hamburg
Tel.: (40) 7410-20909
E-Mail: i.cassens@uke.de

13.5.2013
Medizinische Fakultät ehrt herausragende Immunologen
UKE verleiht Ehrenpromotion an Prof. Irun R. Cohen und Prof. Hartmut Wekerle
In einer Feierstunde im historischen Erika-Haus hat die Medizinische Fakultät des UKE an Prof. Irun R. Cohen (The Weizmann Institute of Science, Rehovot, Israel) und Prof. Hartmut Wekerle (Max-Planck-Institut für Neurobiologie, Martinsried) am 13. Mai die Ehrenpromotion verliehen. Die beiden herausragenden Immunologen gelten als geistige Väter des Konzepts der Immunregulation.

„Unser Körper muss streng kontrollieren, gegen was er seine Abwehrreaktionen richtet und mit welcher Intensität. Mechanismen der Immunregulation stellen sicher, dass Erreger möglichst effektiv bekämpft werden können, ohne dass die Immunantwort körpereigenes Gewebe angreift“, erläutert Prof. Ansgar Lohse, Sprecher des Sonderforschungsbereichs 841 Leberentzündung, der anlässlich der Ehrung ein Symposium zum Thema Immunregulation veranstaltet.

Die Forschungsarbeiten von Cohen und Wekerle haben den Blick auf Autoimmunerkrankungen grundlegend verändert. Anfang der 70er Jahre zeigten sie, dass es auch im gesunden Organismus Abwehrzellen gibt, die körpereigene Strukturen erkennen. Zuvor war man davon ausgegangen, dass solche Zellen nur dann vorkommen, wenn auch eine Autoimmunerkrankung vorliegt. Bei den autoreaktiven Zellen handelt es sich um T-Lymphozyten. Diese Zellen spielen eine zentrale Rolle bei der Immunantwort: Denn sie erkennen die Strukturen, gegen die dann eine Abwehrreaktion ausgelöst wird. Die beiden Wissenschaftler wiesen nach, dass eine fehlerhafte Kontrolle dieser autoreaktiven Zellen die Ursache für Autoimmunerkrankungen ist und dass man diese Kontrollmechanismen beeinflussen kann – die Geburtsstunde der Immunregulation. Basierend auf ihren Erkenntnissen entwickelten sie eine Impfung gegen Autoimmunkrankheiten mit veränderten autoreaktiven T-Lymphozyten.

Prof. Irun R. Cohen studierte Philosophie und Medizin an der Northwestern University und an der North Western Medical School in Illinois, USA. Er absolvierte seine Facharztausbildung in Pädiatrie in den USA und Israel. Ab 1968 war er am Weizmann Insitute of Science, Rehovot, Israel, tätig, wo er 1987 Professor für Immunologie wurde und seit 2007 Professor Emeritus ist.

Prof. Hartmut Wekerle studierte Medizin an der Universität Freiburg, wo er 1971 promovierte. Anschließend forschte er am Weizmann Institute of Science in Rehovot, Israel. Ab 1973 arbeitete er als Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Immunbiologie und Epigenetik in Freiburg. 1982 übernahm er die Leitung der klinischen Forschergruppe für Multiple Sklereose der Max-Planck-Gesellschaft. Von 1988 bis 2011 war er Direktor des Max-Planck-Instituts für Neurobiologie in Martinsried, wo er seit 2011 eine Emeritus-Gruppe leitet.

„Mit Prof. Cohen und Prof. Wekerle ehrt die Medizinische Fakultät zwei international herausragende Wissenschaftler. Dass beide die angetragene Ehrenpromotion mit Freude entgegennehmen, ehrt gleichzeitig das UKE“, so Prof. Dr. Dr. Uwe Koch-Gromus, Dekan der Medizinischen Fakultät und UKE-Vorstand.

14.1.2013
Kein Eintritt – Lipopeptid verhindert die Ausbreitung von Hepatitis-B-Viren
Wissenschaftler aus der Arbeitsgruppe von Professor Maura Dandri am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) haben jetzt eine therapeutische Strategie entwickelt, die den Behandlungserfolg bei chronischen Hepatitis-B-Infektionen entscheidend verbessern könnte. Die neue Geheimwaffe ist ein Lipopeptid namens “Myrcludex-B”. Es verhindert, dass das Hepatitis-B-Virus weitere Leberzellen befällt.

Weltweit sind 350 Millionen Menschen chronisch mit dem Hepatitis-B-Virus (HBV) infiziert. Etwa ein Viertel der Betroffenen entwickelt aus der anfänglichen Leberentzündung eine Leberzirrhose oder Leberzellkrebs, die häufig tödlich enden. Durch die momentan verfügbaren Therapien können nur wenige der Patienten geheilt werden. “Aus unseren früheren Arbeiten (1), die in Kooperation mit Professor Stephan Urban von der Universität Heidelberg durchgeführt wurden, wussten wir bereits, dass Myrcludex-B eine Neuinfektion mit HBV in primären menschlichen Leberzellen verhindern kann. Nun konnten wir zeigen, dass es eine Ausbreitung des Virus in der Leber blockiert, wenn bereits eine HBV-Infektion vorliegt (2)”, erklärt Professor Maura Dandri, die auch ein Teilprojekt im Sonderforschungsbereich 841 “Leberentzündung: Infektion, Immunregulation und Konsequenzen” am UKE leitet.

Myrcludex-B ist ein Lipoprotein, das nach einem Bestandteil aus der Virushülle synthetisch hergestellt wurde. Es verhindert, dass das Hepatitis-B-Virus in Leberzellen eindringen kann. So blockiert es einen entscheidenden Schritt in der Vermehrung des Virus. Denn um sich zu vervielfältigen, müssen Hepatitis-B-Viren in Leberzellen gelangen. Im Kern der befallenen Zellen überdauert das Erbgut des Virus. Bei bereits bestehender chronischer Erkrankung bietet Myrcludex-B die Möglichkeit, die noch nicht HBV-infizierten Leberzellen vor einer Infektion zu schützen. “Die Leber hat eine ausgeprägte Fähigkeit sich zu regenerieren. Außerdem ist in den meisten Fällen nur ein Teil der Leberzellen HBV-infiziert. Diese Zellen werden häufiger vom Immunsystem abgebaut und durch neue Zellen ersetzt. Deshalb kann der Schutz neu gebildeter Leberzellen die Anzahl der infizierten Zellen verringern”, sagt Dandri. Myrcludex-B ist somit eine viel versprechende neue Behandlungsoption für chronisch mit HBV infizierte Patienten.

Zurzeit werden Patienten mit einer chronischen Hepatitis-B-Infektion über einen langen Zeitraum mit Interferon-alpha oder Inhibitoren (Nukleosidanaloga) eines viralen Enzyms behandelt. Beide Medikamente reduzieren die Viruslast zum Teil sehr effizient und verhindern, dass die Lebererkrankung rasch fortschreitet. Trotzdem kommt es nur in wenigen Fällen zur klinischen Heilung. Die Gabe eines Eintritt-Inhibitors eventuell in Kombination mit den bisher eingesetzten Therapien könnte zukünftig den Behandlungserfolg verbessern. “Die Langzeitbehandlung mit Nukleosidanaloga birgt außerdem die Gefahr, dass sich Wirkstoffresistente Viren entwickeln” erklärt Dr. Marc Lütgehetmann, der die Arbeit zusammen mit Dandri betreute. “Auch in dieser Hinsicht ist es interessant, über neue Medikamente zu verfügen, die verhindern, dass weitere Leberzellen infiziert werden und sich resistente Varianten des Virus ausbreiten.”

Literatur:
1 Prevention of hepatitis B virus infection in vivo by entry inhibitors derived from the large envelope protein.
Petersen J, Dandri M, Mier W, Lütgehetmann M, Volz T, von Weizsäcker F, Haberkorn U, Fischer L, Pollok JM, Erbes B, Seitz S, Urban S.
Nat Biotechnol. 2008 Mar; 26(3):335-41. doi: 10.1038/nbt1389. Epub 2008 Feb 24.

2 The entry inhibitor Myrcludex-B efficiently blocks intrahepatic virusspreading in humanized mice previously infected with Hepatitis B Virus
Volz T, Allweiss L, Ben M’Barek M, Warlich M, Lohse AW, Pollok JM, Alexandrov A, Urban S, Petersen J, Lütgehetmann M, Dandri M
Journal of Hepatology 2012

Kontakt:
Prof. Dr. rer. nat. Maura Dandri
I. Medizinische Klinik und Poliklinik
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Martinistr. 52
20246 Hamburg
Tel.: +49-40-7410-52949
E-Mail: m.dandri@uke.de

18.10.2012
UKE-Wissenschaftler identifizieren Kontrollelement für Tumorentwicklung
Patienten mit einer chronischen Entzündung der Darmschleimhaut haben ein erhöhtes Risiko, an Dickdarmkrebs zu erkranken. Wissenschaftler des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) und der Yale University School of Medicine haben jetzt einen Faktor identifiziert, der verhindern kann, dass sich aus einer chronischen Darmentzündung ein Tumor entwickeln kann.

Wenn eine Wunde heilt, müssen Zellen im Körper nachwachsen, um diese zu schließen. Das Zellwachstum wird deshalb angeregt, ebenso wie die Bildung neuer Blutgefäße. Die gleichen Prozesse laufen auch ab, wenn ein Tumor entsteht. Schon länger vermuten Wissenschaftler deshalb, dass dieselben Faktoren und Signalwege an beiden Prozessen beteiligt sind. Dr. Samuel Huber, Nachwuchswissenschaftler im Sonderforschungsbereich 841 (SFB 841) “Leberentzündung: Infektion, Immunregulation und Konsequenzen” am UKE, und seine US-amerikanischen Kollegen konnten diese Hypothese jetzt untermauern: Sie zeigten, dass bei chronisch entzündlichen Darmerkrankung das Verhältnis des Botenstoffs Interleukin-22 (IL-22) und seines körpereigenen Hemmstoffes Interleukin-22 binding-protein (IL-22 BP) kritisch für den Erfolg der Wundheilung ist. Dieses Verhältnis entscheidet unter anderem darüber, ob sich ein Tumor entwickeln kann.

Reparatur rechtzeitig stoppen
IL-22 ist ein Botenstoff von Immunzellen. Es spielt eine wichtige Rolle bei der Immunabwehr von Krankheitserregern und regt die Reparatur der Darmschleimhaut an. In hoher Konzentration begünstigt IL-22 jedoch die Entstehung von Erkrankungen wie chronisch entzündlichen Darmerkrankungen und sogar Krebs. Der Hemmstoff IL-22BP kontrolliert diese Effekte. Wenn sich IL-22 an diesen löslichen Rezeptor bindet, verliert es seine Wirkung. “Wir wollten die Rolle des löslichen Rezeptors IL-22BP an einem lebenden Subjekt klären und herausfinden, welche Rolle IL-22 bei der Tumorentstehung spielt”, erläutert Huber. Für ihre Untersuchungen generierten die Wissenschaftler Mäuse, die entweder keinen löslichen Rezeptor oder kein IL-22 bildeten, sowie Mäuse, denen beide Faktoren fehlten. Mit diesen Mausmodellen konnten sie zeigen, dass IL-22 je nach Phase der Wundheilung unterschiedliche Rollen spielt: Anfänglich hat es einen günstigen Effekt, es regt Zellen der Darmschleimhaut an, sich zu vermehren und unterstützt die Wundheilung. Später fördert IL-22 jedoch die Tumorbildung, wenn es nicht von seinem löslichen Rezeptor, dem IL-22BP, neutralisiert wird. “Unsere Arbeiten zeigen, dass IL-22BP ein wichtiges Kontrollelement für IL-22 ist”, fasst Huber zusammen. “Es verhindert, dass bei Mäusen mit einer chronisch entzündlichen Darmerkrankung Reparaturvorgänge im Darm zur Tumorentstehung führen.”

Neuer Ansatz für Therapie
Darmkrebs ist in Deutschland die zweithäufigste Krebserkrankung und bei der Neuerkrankungsrate liegt Deutschland im internationalen Vergleich an der Spitze. Bei 95 % aller bösartigen Darmtumoren handelt es sich um Dickdarmkrebs. Die in “Nature” veröffentlichte Arbeit von Huber und seinen Kollegen von der Yale University School of Medicine trägt zum Verständnis der Mechanismen bei, die an der Entstehung von Krebs beteiligt sind. Eine wichtige Voraussetzung, um Strategien zur Prophylaxe und Therapie von Krebserkrankungen zu entwickeln.

Literatur:
IL-22BP is regulated by the inflammasome and modulates tumorigenesis in the intes-tine. Huber S, Gagliani N, Zenewicz LA, Huber FJ, Bosurgi L, Hu B, Hedl M, Zhang W, O’Connor Jr W, Murphy AJ, Valenzuela DM, Yancopoulos GD, Booth CJ, Cho JH, Ouyang W, Abraham C, Flavell RA. Nature 2012, Epub 2012 Oct 17; doi 10.10038/nature 11535

Kontakt:
Dr. med. Samuel Huber
I. Medizinische Klinik und Poliklinik, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Martinistr. 52, 20246 Hamburg
Tel.: +49-15222827133
E-Mail: s.huber@uke.de

23.08.2012
Heisenberg-Professur für UKE-Wissenschaftlerin Priv-Doz. Dr. Maura Dandri
Priv.-Doz. Dr. Maura Dandri vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) erhält die Bewilligung für eine Heisenberg-Professur der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) für den Bereich Virushepatitis. Die Professur wird zunächst für fünf Jahre von der DFG und anschließend dauerhaft von der Medizinischen Fakultät der Universität Hamburg finanziert.

Prof. Dr. Ansgar Lohse, Direktor der I. Medizinischen Klinik am UKE und Sprecher des Sonderforschungsbereichs 841 (SFB 841) “Leberentzündung: Infektion, Immunregulation und Konsequenzen” freut sich mit der Wissenschaftlerin über die Auszeichnung: “Die Heisenberg-Professur ist nicht nur eine Würdigung der herausragenden wissenschaftlichen Leistung von Frau Dr. Dandri, sondern auch eine Anerkennung für die wissenschaftliche Exzellenz des Schwerpunkts Infektions- und Entzündungsforschung, insbesondere des Sonderforschungsbereichs 841 ,Leberentzündung’ in Hamburg.”

Dandri forscht als Teilprojektleiterin innerhalb des SFB 841 an den molekularen Mechanismen, die Hepatitis-B-Viren in die Lage versetzen, in infizierten Leberzellen zu überdauern. Außerdem führt sie präklinische Studien für antivirale Medikamente durch, um die Therapieoptionen der Patienten mit einer chronischen Hepatitis zu verbessern.

Rund eine Millionen Menschen sind in Deutschland chronisch mit dem Hepatitis-B-, D oder dem Hepatitis-C-Virus infiziert. Weltweit sind es sogar fast 600 Millionen. Bei einer chronischen Infektion vernarbt die Leber und eine Leberfibrose entsteht. Daraus kann sich eine Leberzirrhose entwickeln, die die Entstehung von Leberzellkrebs begünstigt und zu Funktionsausfällen führt. Laut WHO gehört die Leberzirrhose zu den zehn häufigsten Todesursachen. Bislang wurde die Forschung auf dem Gebiet der viralen Hepatitis durch das Fehlen geeigneter Zellkultursysteme und Tiermodelle stark eingeschränkt.

Dandris Arbeitsgruppe gelang es jedoch, am UKE ein Mausmodell für die Hepatitis-B-Virus (HBV)-Infektion zu etablieren, in dem menschliche Leberzellen in der Mausleber angesiedelt werden. Diese Mäuse können mit den humanen Hepatitisviren infiziert werden und entwickeln eine chronische Hepatitis. “Das Modell bietet ideale Voraussetzungen, um die Hepatitis-Viren besser zu verstehen. Vor allem ist es in diesen Mäusen endlich möglich, neue Substanzen gegen die Hepatitis-Viren zu testen”, erläutert Dandri.

Seit kurzem können in diesem Mausmodell auch Ko-Infektionen mit dem Hepatitis-Delta-Virus (HDV) untersucht werden. HDV ist ein Satellitenvirus, der sich nur mithilfe des HBV vermehren kann. Fünf Prozent der chronisch mit HBV infizierten Menschen sind auch mit HDV infiziert. Bei einer chronischen HBV/HDVInfektion kann sich bei diesen Patienten verglichen mit einer alleinigen HBV-Infektion schneller eine Leberzirrhose entwickeln. Noch ist wenig über den Lebenszyklus des HDV bekannt, mithilfe des Mausmodells kann Dandri nun erforschen, wie die beiden Viren mit den menschlichen Leberzellen und ihren Abwehrmechanismen interagieren.

23.04.2012
UKE-Wissenschaftler erhält Peter Hans Hofschneider Stiftungsprofessur 2012
Dr. Samuel Huber, Nachwuchswissenschaftler im Sonderforschungsbereich 841 (SFB 841) “Leberentzündung: Infektion, Immunregulation und Konsequenzen” am Universitätsklinikum Eppendorf (UKE), erhält in diesem Jahr die Peter Hans Hofschneider Stiftungsprofessur der Schweizer Stiftung Experimentelle Biomedizin. Der 33-jährige Mediziner überzeugte das internationale Gutachtergremium mit seinen Forschungsarbeiten über einen Botenstoff von Immunzellen, das Interleukin 22.

Die Experten waren von der hohen Qualität der Ergebnisse und dem sehr guten Vortrag begeistert. In seiner Begründung für Dr. Samuel Huber hob der Stiftungsrat auch den Enthusiasmus hervor, den er seiner Arbeit entgegenbringe. “Ich fühle mich geehrt und freue mich sehr über diese Auszeichnung. Die Stiftungsprofessur gibt mir die Freiheit, meine Forschungsvorhaben in den nächsten Jahren umzusetzen”, sagt Huber. Mit der Stiftungsprofessur werden das eigene Gehalt des Wissenschaftlers, eine zusätzliche Doktorandenstelle und Sachmittel für zunächst drei Jahre finanziert. Eine Verlängerung um zwei weitere Jahre ist möglich. Prof. Dr. Ansgar W. Lohse, Sprecher des SFB 841 und Direktor der I. Medizinischen Klinik am UKE gratulierte dem jungen Mediziner: “Dies ist eine außerordentliche Auszeichnung für seine bisherigen Forschungsarbeiten und zeigt einmal mehr, welch ein Gewinn Dr. Samuel Huber für den SFB 841 ist.”

Mit seiner Arbeitsgruppe erforscht Huber unter anderem das Interleukin 22 (IL-22). IL-22 ist ein Botenstoff des Immunsystems. Mit ihm kommunizieren Immunzellen, um zum Beispiel koordiniert gegen Krankheitserreger vorzugehen. IL-22 hat ein Janusgesicht: Bei der Wundheilung nach einer Gewebsschädigung hat IL-22 schützende Eigenschaften. In hohen Konzentrationen begünstigt es jedoch die Entstehung von Krankheiten. Zum Beispiel kann IL-22 die Bildung von Krebs fördern. Huber möchte herausfinden, wie IL-22 kontrolliert wird. “Es gibt einen Rezeptor, der IL-22 bindet, das IL-22 binding protein (IL-22BP)”, erläutert der Mediziner. “Wenn IL-22 an diesen Rezeptor bindet, ist es neutralisiert.” Tritt eine Gewebsschädigung auf, wird viel IL-22 aber wenig IL22-BP produziert. IL22-BP scheint also wichtig für die Regulation der Wirkung von IL-22 zu sein. Bisher ist jedoch nicht bekannt, welche Zellen IL-22BP bilden und wie seine Produktion gesteuert wird. Außerdem geht der Wissenschaftler der Frage nach, ob IL22-BP dazu beitragen kann, die Entstehung von Krebs zu verhindern.

Die Stiftung Experimentelle Biomedizin mit Sitz in Zürich vergibt die Stiftungsprofessur alle zwei Jahre zu Ehren des Lebenswerks von Prof. Dr. Dr. Peter Hans Hofschneider. Hofschneider, der 2004 starb, trieb die Forschung im Bereich der Molekularen Medizin maßgeblich voran. Ziel der Peter Hans Hofschneider Stiftungsprofessur ist es, jungen Wissenschaftlern, die herausragende Leistungen auf dem Gebiet der Molekularen Medizin erbracht haben, den Aufbau einer eigenen Arbeitsgruppe zu ermöglichen.

Die Preisverleihung erfolgt am 29. Juni im Rahmen eines Minisymposiums in Hamburg.

06.01.2012
UKE-Wissenschaftler erhält Ernst Jung-Karriere-Förder-Preis für medizinische Forschung
Zu den diesjährigen Preisträgern der Jung-Stiftung für Wissenschaft und Forschung gehört der Nachwuchswissenschaftler Dr. med. Samuel Huber des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE). Der junge Mediziner bekommt den mit 210.000 Euro dotierten Ernst Jung-Karriere-Förder-Preis für seine erfolgreichen Forschungsarbeiten im Bereich der Immunregulation.

„Ich freue mich über die Auszeichnung, die eine enorme Motivation und Hilfe für meinen Start in Deutschland ist“, sagt Dr. Samuel Huber. Mit dem Ernst Jung-Karriere-Förder-Preis zeichnet die Jung-Stiftung für Wissenschaft und Forschung exzellente Nachwuchsmediziner aus, die nach einem mindestens zweijährigen Forschungsaufenthalt im Ausland wieder nach Deutschland kommen, wissenschaftlich arbeiten und ihre Facharztausbildung anstreben. Huber kehrte letzten Sommer nach einem dreijährigen Aufenthalt an der Yale School of Medicine in New Haven, USA, nach Deutschland zurück.

Am UKE leitet er eine Nachwuchsforschergruppe im Sonderforschungsbereich 841 (SFB 841) „Leberentzündung: Infektion, Immunregulation und Konsequenzen“. Seine Arbeitsgruppe untersucht, wie ein bestimmter Typ von Immunzellen, die TH17-Zellen, reguliert werden. TH17-Zellen sind wichtig, um Krankheitserreger abzuwehren, können aber auch chronische Entzündungen und autoimmune Erkrankungen verursachen. „Wir suchen nach körpereigenen Mechanismen, mit denen TH17-Zellen kontrolliert werden können“, erklärt Huber. Unter anderem erforschen die Wissenschaftler einen wichtigen Botenstoff der TH17-Zellen, das Interleukin 22 (IL-22). „IL22 kann die Wundheilung, z. B. nach einer Schädigung der Leber, unterstützen“, erklärt Huber. „Wenn es jedoch in hohen Konzentrationen vorkommt, begünstigt es die Entstehung von Krankheiten wie Krebs.“

Der Preisträger des Ernst Jung-Karriere-Förder-Preises wird zusammen mit den Preisträgern des Ernst Jung-Preises für Medizin und der Ernst Jung-Medaille für Medizin in Gold jährlich anlässlich des Todestages des Stifters und erfolgreichen Hamburger Kaufmanns Ernst Jung am 8. Januar bekannt gegeben.


09.04.2011
Forscher aus aller Welt diskutieren in Hamburg die Mikro- und Nanoebene des Immunsystems
Vom 7. bis 9. April 2011 fand im Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg erstmals ein Symposium des Sonderforschungsbereiches 841 „Leberentzündung: Infektion, Immunregulation und Konsequenzen“ (SFB 841) statt. 130 Wissenschaftler aus Deutschland, Kanada, den Vereinigten Staaten, Australien, England und der Schweiz diskutierten auf Einladung des SFB 841 die immunologischen Grundlagen von Infektionen, Entzündungsreaktionen und Autoimmunerkrankungen.

Die Regulation der Immunantwort spielt eine große Rolle bei der Abwehr von Viren, Bakterien und dem Malaria auslösenden Parasiten. Regulierende Vorgänge der Immunabwehr sind außerdem entscheidend an der Entstehung von Autoimmunerkrankungen wie Rheuma und an Entzündungen durch Stoffwechselstörungen (z. B. erhöhte Blutfettwerte) beteiligt. „Fette aus der Nahrung können entzündliche Prozesse in der Leber auslösen und so in bestimmten Fällen zu chronischen Erkrankungen bis hin zur Entstehung von Krebs führen“, erläutert Prof. Dr. Jörg Heeren, Leiter eines Teilprojektes des SFB 841 im Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE).

Das Immunsystem wird somit von äußeren Einflüsse, jedoch auch von lokalen Faktoren wie Gewebetyp und Durchblutung beeinflusst. Die beteiligten Zellen kommunizieren mit der Hilfe von Botenstoffen. Für ein grundlegendes Verständnis des Krankheitsgeschehens ist es elementar, das Wechselspiel der Zellkommmunikation und die Steuerung der Entzündungsprozesse im Gewebe auf Mikro- und sogar auf Nanoebene zu analysieren. Auf dem SFB 841 Symposium diskutieren Wissenschaftler von Top-Universitäten wie Harvard, Yale, Montreal und Zürich gemeinsam mit ihren wissenschaftlichen Partnern vom SFB die Fortschritte in diesem Forschungsgebiet.

„Der SFB 841 ist charakterisiert durch die Verbindung von Grundlagenforschung mit klinischer Forschung und die internationale Ausrichtung. Top-Forschung kennt keine Ländergrenzen. Wir arbeiten sehr eng mit unseren internationalen Kooperationspartnern zusammen“, betont Prof. Dr. Ansgar Lohse, Direktor der I. Medizinischen Klinik des UKE und Sprecher des Sonderforschungsbereichs.

Der SFB 841 wird seit 2010 durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert. Der Sonderforschungsbereich umfasst 20 Teilprojekte, die sich mit unterschiedlichen Aspekten der Leberentzündung befassen.


Klone von RGB-markierten Zellen im Kulturgefäß

27.03.2011
Farbenfrohe Forschung: UKE-Wissenschaftler entwickeln neue Methode zur Zellbeobachtung
Um das Entstehen von Krebs oder die Wirkung von Zelltherapien zu verstehen, müssen Forscher die Vermehrung und Beweglichkeit von Zellen analysieren. Eine Arbeitsgruppe aus der Klinik für Stammzelltransplantation am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf um den Biomediziner Prof. Dr. Boris Fehse und den Biochemiker Dr. Kristoffer Weber hat jetzt im Rahmen des Sonderforschungsbereichs 841 „Leberentzündung“ eine Methode entwickelt, mit der Zellen zum Leuchten in allen Spektralfarben angeregt werden, und sich so wesentlich genauer als bisher beobachten lassen. Die neue Technik wird im hochrangigen Wissenschaftsmagazin Nature Medicine erstmalig beschrieben.

Das Markieren von Zellen mit farbig fluoreszierenden Proteinen hat der biomedizinischen und zellbiologischen Wissenschaft ganz neue Möglichkeiten eröffnet. Im Jahr 2008 wurde für die Entwicklung dieses Prinzips der Nobelpreis für Chemie verliehen. Doch bisher standen nur wenige Farben für diese Methode zur Verfügung. Die Hamburger Forscher haben nun eine Technik entwickelt, mit der Zellen nicht nur zum Leuchten in den Grundfarben rot, grün oder blau (RGB) angeregt werden können. „Durch Mischen dieser Grundfarben in unterschiedlichen Intensitäten können wir das gesamte Farbspektrum des Regenbogens erzeugen, und Zellen mit den verschiedensten Farben markieren“, sagt Prof. Dr. Boris Fehse. Die neue Methode des RGB-Marking erlaube es nun, genaue Aussagen über das biologische Verhalten vieler Zellen zu treffen.

Die RGB-Farbmischung liegt auch den farbigen Bildern in Computer- oder TV-Monitoren zugrunde. Um Zellen fluoreszieren zu lassen, werden Gene eingeschleust, die dann das jeweilige farbige Protein in der Zelle herstellen. Das Leuchten lässt sich dann mit einem Fluoreszenzmikroskop anregen. Die UKE-Forscher haben nun Zellen zum Produzieren aller drei Farbstoffe veranlasst, indem sie Gene für alle drei Grundfarben einschleusten. Je nach Intensität der Einzelfarben kann dabei jede Farbe des Spektrums entstehen. So lassen sich viele Zelltypen voneinander unterscheiden, und ihre Eigenschaften beobachten.
Die neue Methode kommt direkt der Tumorforschung im Sonderforschungsbereich 841 (SFB 841) zugute. Besonderes Interesse gilt hier der Frage, warum Reparaturvorgänge im Lebergewebe, zum Beispiel bei einer Virusinfektion, in bösartiges Zellwachstum übergehen können. Mit dem RGB-Marking steht eine neue Methode zur Verfügung, mit der sich solche Veränderungsprozesse besonders gut beobachten lassen.

Aber auch in vielen anderen wissenschaftlichen Bereichen kann die neue Methode eingesetzt werden. „Das Prinzip funktioniert bei bösartigen ebenso wie bei gutartigen Zellen, zum Beispiel im Bereich der regenerativen Medizin“, sagt Prof. Fehse. „Das RGB-Marking kann dazu beitragen, grundlegende biologische Prozesse besser zu verstehen, und dann neue Therapieansätze zu entwickeln.“
Zur Anwendung gebracht wurde das RGB-Marking gemeinsam von Wissenschaftlern aus mehreren Projekten des Sonderforschungsbereichs Leberentzündung und am Heinrich-Pette-Institut für Experimentelle Virologie. „Ohne die enge Kooperation verschiedener Fachrichtungen wäre dieser Erfolg kaum möglich gewesen“, betont Prof. Dr. Ansgar Lohse von der I. Medizinischen Klinik des UKE und Sprecher des SFB 841. Das unterstreiche das große Potential der Verbundforschung. „Insbesondere fördert die Verzahnung von Grundlagenforschung und klinischer Wissenschaft in unserem SFB Erkenntnisse, die in absehbarer Zeit Patienten zugute kommen werden.“


16.11.2010
Gute Fette, böse Fette – die neue Volkskrankheit Fettleber
Fett kann die Leber ebenso krank machen wie Alkohol oder Viren. Die Fettleber ist die häufigste Lebererkrankung und führt oft zu Zirrhose und Leberkrebs. Mehr als jeder fünfte Deutsche ist betroffen – auch Kinder.

Es gehört zu den Aufgaben der Leber, Fette zu speichern und zu verarbeiten. Aber sie können die Leber auch schädigen. Entscheidend ist, ob eine Entzündung entsteht. Im Sonderforschungsbereich Leberentzündung am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) fahnden Wissenschaftler nach den Faktoren, die Fette zu gefährlichen Krankheitserregern machen. Ihre Erkenntnisse könnten auch im medizinischen Kampf gegen die Virushepatitis und Leberkrebs helfen.

Zuviel Fett in der Leber ist ein relativ junges Krankheitsbild, das erst seit etwa 20 Jahren bekannt ist. Inzwischen ist es ein Massenphänomen. Die Ursachen sind oft eine falsche Ernährung und zu wenig Bewegung. Mehr als jeder fünfte Deutsche hat eine Fettleber, schon Kinder sind betroffen. Wenn aus der Leberverfettung eine Leberentzündung wird, gehen Zellen zugrunde und setzen Enzyme frei – die Leberwerte im Blut steigen an. Oft kommen die Ärzte erst bei einer Routineuntersuchung der drohenden Gefahr auf die Spur. “Aber warum entwickeln sich schädigende Entzündungen bei den einen, bei anderen nicht?”, fragt Dr. Jörg Heeren. “Wenn wir das herausfinden, können wir den Entzündungen gezielt entgegensteuern.” Der Biochemiker erforscht im Rahmen des Sonderforschungsbereichs “Leberentzündung” am UKE was Lipide in Leberzellen bewirken.

An den Arbeiten der Lipidforscher sind auch die anderen Forschergruppen in dem Sonderforschungsbereich interessiert. “Über die Lipide lernen wir, welche Prozesse in den Leberzellen der Entzündung entgegenwirken, dies lässt sich auch auf andere Lebererkrankungen übertragen”, sagt Prof. Dr. Ansgar Lohse, Sprecher des Sonderforschungsbereichs. Möglicherweise ließen sich auf die Weise dann auch Leberinfektionen oder Leberkrebs beeinflussen.

Am 20. November findet der 11. Deutsche Lebertag.statt. Wesentliches Ziel des bundesweiten Aktionstags ist die Aufklärung über die Bedeutung von Früherkennung bei Lebererkrankungen.


Pressekonferenz am 19.08.2010

19.08.2010
Sonderforschungsbereich am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf eingerichtet – Neue Strategien gegen Hepatitis, Zirrhose und Leberkrebs
Der neue Sonderforschungsbereich 841 “Leberentzündung: Infektion, Immunregulation und Konsequenzen“ (SFB 841), gefördert durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG), ermöglicht Leberforschung auf höchstem wissenschaftlichem Niveau. 20 Projektgruppen mit 30 Projektleitern, insgesamt etwa 100 Wissenschaftler, untersuchen die Themen Schädigung, Regeneration, Entzündung und Krebsentstehung der Leber interdisziplinär, mit konzentrierter Expertise und in enger Verbindung von Grundlagenforschung mit klinischer Forschung. Prof. Dr. Ansgar W. Lohse, Sprecher und Initiator des SFB 841: „Wenn wir die Entzündungsprozesse der Leber verstehen, können wir daraus neue Ansatzpunkte zur Behandlung von Hepatitis, Leberzirrhose und Leberkrebs ableiten. Und darüber hinaus: Die Erkenntnisse zur Entzündung der Leber lassen sich auch auf andere Organe und Krankheiten übertragen.“ Prof. Dr. Jörg F. Debatin, Ärztlicher Direktor und Vorstandsvorsitzender des UKE: „Die Förderung des SFB 841 durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft bestätigt, dass wir am UKE über hervorragende Voraussetzungen und herausragende Forscher verfügen, um exzellente wissenschaftliche Ergebnisse zu erzielen.“

Entzündungen – heilsam und gefährlich:
Auf schädigende Einflüsse reagiert die Leber mit Entzündungsprozessen. Sie dienen einerseits der Regeneration, können aber auch zu chronischer Erkrankung führen. Der wissenschaftliche Sekretär des SFB 841, Priv.-Doz. Dr. Johannes Herkel, erklärt: „Wir wollen die molekularen Schalter identifizieren, die eine reparierende Entzündung in eine schädigende verwandeln und umgekehrt. Dieses Wissen lässt sich dann einsetzen für neue, sehr zielgenaue Therapien.“

Nachwuchs fördern:
Hochkarätige Forschung braucht exzellente Wissenschaftler. Der SFB 841 fördert den wissenschaftlichen Nachwuchs. In dem integrierten „Graduiertenkolleg Entzündung und Regeneration“ werden derzeit 30 Doktorandinnen und Doktoranden der Medizin und Naturwissenschaften betreut. Prof. Dr. Gisa Tiegs, die das Graduiertenkolleg des SFB leitet: „Unsere Promovierenden können sich hier zu selbständigen Wissenschaftlern entwickeln. Auch der SFB profitiert, denn sie sorgen für neue Impulse und halten den wissenschaftlichen Austausch zwischen uns lebendig.“

Hintergrund:
Die Leber als zentrales Stoffwechselorgan ist wegen seiner vielfältigen und komplexen Aufgaben im Körper nicht künstlich ersetzbar, und noch immer gibt es bei vielen chronischen Lebererkrankungen keine zufrieden stellenden Therapien. Leberentzündungen sind sehr häufig, weltweit sind über 500 Millionen Menschen an einer Virushepatitis erkrankt, was damit die häufigste chronische Infektion ist. Immer spielen dabei Entzündungen eine entscheidende Rolle. Der Sonderforschungsbereich wird in den nächsten vier Jahren mit 10 Millionen Euro gefördert. Die Förderung kann bis auf insgesamt zwölf Jahre verlängert werden.


26.05.2010
Großzügige Spende für die Leberforschung
Die Hamburgische Stiftung für Wissenschaften, Entwicklung und Kultur Helmut und Hannelore Greve unterstützt die Arbeit des neuen Sonderforschungsbereichs 841 zur Leberentzündung an der Universität Hamburg mit 100.000 Euro
Die Geldmittel kommen einem Forschungsprojekt über autoimmune Lebererkrankungen zugute. Das Ziel ist, dieses so genannte „Leberrheuma“ besser zu verstehen, zu erkennen und zu behandeln. Bei Autoimmunen Lebererkrankungen richtet sich das Immunsystem gegen körpereigenes Lebergewebe. Der Verlauf ist chronisch und kann eine Lebertransplantation erforderlich machen. Therapien wirken umso besser, je früher sie beginnen. Doch allzu oft wird die Diagnose erst gestellt, wenn das Stoffwechselorgan schon stark geschädigt ist.

Bisherige Tests weisen für die Erkrankung typische Eiweißstoffe im Blut nach, jedoch nur bei einigen Patienten. Forschungen haben gezeigt, dass sich Zuckermoleküle an diese Eiweiße anlagern und ihre Eigenschaften verändern. Wahrscheinlich spielen sie eine entscheidende Rolle bei der Krankheitsentstehung. „Diese Zuckerstrukturen könnten der Schlüssel zu neuen Diagnose- und Therapieverfahren für Menschen mit autoimmunen Lebererkrankungen sein, und wir haben jetzt die Chance diesen Schlüssel zu finden“, sagt Prof. Dr. Ansgar Lohse, Direktor der I. Medizinischen Klinik des UKE und Sprecher des neuen Sonderforschungsbereichs.

Mit neuesten Nachweistechniken lassen sich die Eiweiß-Zuckerverbindungen genau analysieren. Aber die Tests sind kostspielig und aufwändig. Die Zuwendung der Hamburger Wissenschaftsmäzene, des Ehepaars Professor Dr. Dr. h.c. Helmut Greve und Professor Dr. h.c. Hannelore Greve, ermöglicht jetzt umfangreiche Untersuchungen. Die Hamburger Forscher kooperieren dabei mit führenden Experten in Berlin und Zürich.

Vermittelt wurde die großzügige Spende durch die Akademie der Wissenschaften in Hamburg. „Wir freuen uns sehr, den neuen Sonderforschungsbereich durch die Vernetzung mit dem beispiellosen Engagement von Helmut und Hannelore Greve unterstützen zu können“, sagt Prof. Dr. Heimo Reinitzer, der Präsident der Akademie. Diese hat das Ziel, die Forschung in Hamburg über Fächer und Institutionen hinweg zu fördern, und sie der Öffentlichkeit zu vermitteln. In die Akademie werden namhafte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus dem norddeutschen Raum berufen.


18. November 2009
DFG bewilligt neuen Sonderforschungsbereich zur Entzündung der Leber
Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) hat den neuen Sonderforschungsbereich (SFB) 841 der Universität Hamburg zum Thema Leberentzündung bewilligt. Der neue SFB ist federführend am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) angesiedelt. Ziel des SFB 841 ist ein besseres Verständnis von Infektionen, Entzündungen und Tumorerkrankungen der Leber als zentralem Stoffwechselorgan.

„Wir freuen uns außerordentlich über diesen wissenschaftlichen Erfolg. Damit haben wir jetzt die Möglichkeit, auf diesem klinisch und wissenschaftlich bedeutenden Gebiet große Fortschritte zu erzielen“, sagt Prof. Dr. Ansgar Lohse, Direktor der I. Medizinischen Klinik des UKE und Sprecher des neuen SFB. Grundlagenforscher und Klinikärzte des UKE und des Bernhard-Nocht-Instituts werden zusammen mit je einer Arbeitsgruppe der Christian-Albrechts-Universität Kiel und der Hebrew University Jerusalem die Funktion der Leber erforschen.

Insbesondere wollen die Wissenschaftler entschlüsseln, auf welche Weise die Auseinandersetzung zwischen Krankheitserreger und Immunsystem die Leber schädigt und so Leberzirrhose und bösartiges Wachstum auslösen kann. „Das ist Grundlagenforschung, die die praktische Anwendung im Blick hat“, sagt Prof. Dr. Gisa Tiegs, Institut für Experimentelle Immunologie und Hepatologie des UKE und stellvertretende Sprecherin des SFB Leberentzündung. Insgesamt stellt die DFG in den nächsten vier Jahren etwa zehn Millionen Euro zur Verfügung. „Mit diesem Erfolg erreicht die Forschung am UKE einen wichtigen Meilenstein in der Realisierung des Masterplans Forschung, der langfristig darauf angelegt ist, das Forschungsprofil des UKE zu stärken und die Medizinische Fakultät des UKE schrittweise zu den Top ten der Medizinischen Fakultäten in Deutschland aufschließen zu lassen“, sagt Prof. Dr. Dr. Uwe Koch-Gromus, Dekan der Medizinischen Fakultät des UKE und Mitglied des UKE-Vorstands.
„Wir freuen uns sehr über die erfolgreiche Einwerbung dieses neuen SFB 841. Er ist von großer Bedeutung für die klinische Forschung am UKE und stärkt den Wissenschaftsstandort Hamburg“, sagt Prof. Dr. Jörg F. Debatin, Ärztlicher Direktor und Vorstandsvorsitzender des UKE. Infektionen der Leber sind die häufigste chronische Infektion weltweit. Auch in Deutschland sind Erkrankungen der Leber weit verbreitet, mit zunehmender Tendenz.

Ein Schwerpunkt des SFB 841 ist die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses. Junge Forscher haben innerhalb des SFB unter Anleitung erfahrener Kollegen herausragende Arbeits- und Entwicklungsmöglichkeiten. In einem Doktorandenprogramm werden schon Medizinstudenten an anspruchsvolles wissenschaftliches Arbeiten herangeführt. Das Großprojekt ist auf lange Sicht angelegt. Die DFG fördert Sonderforschungsbereiche bis zu zwölf Jahre lang.