Leberforschung aktuell: Neue Kombinationstherapien zeigen hohe Wirksamkeit gegen chronische Hepatitis B

Eine chronische Infektion mit dem Hepatitis-B-Virus (HBV) kann häufig zu Lebererkrankungen und Leberkrebs führen und ist mit vorhandenen Medikamenten nicht heilbar. Innovative Kombinationstherapien zeigen nun im Infektionsmodell eine hohe Wirksamkeit gegen eine chronische HBV-Infektion. Der Arbeitsgruppe „Virushepatitis“ von Frau Prof. Dr. Maura Dandri aus der I. Medizinischen Klinik und Poliklinik des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) ist es gelungen, im Tiermodell die Stilllegung der sogenannten covalently closed circular DNA (cccDNA) zu erreichen. Die cccDNA versteckt sich in den Zellkernen infizierter Leberzellen und dient als Vorlage für die Produktion neuer Viren. Die Arbeitsgruppe konnte zeigen, dass Behandlungen, die die virale Produktion unterdrücken (Interferon oder RNA-Interferenz) in Kombination mit dem Eintrittshemmer Bulevirtide, der die Zellen vor neuen Infektionen schützt, die cccDNA dauerhaft stilllegen. „Diese Ansätze können nun in klinischen Studien angewandt werden, um eine funktionelle Heilung der chronischen Hepatitis B zu erreichen“, sagt Prof. Maura Dandri, die neben der Arbeitsgruppe „Virushepatitis“ in der I. Medizinischen Klinik des UKE auch das Projekt „HBV cure“ beim Deutschen Zentrum für Infektionsforschung (DZIF) leitet und Projektleiterin im SFB 841 des UKE ist.

Publikation: Therapeutic shutdown of HBV transcripts promotes reappearance of the SMC5/6 complex and silencing of the viral genome in vivo, Gut, 2020. https://doi.org/10.1136/gutjnl-2020-322571